Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 10 (10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10. 125. nun und nimmer mehr es wagen dürfe, seinen barbarischen Gelüsten den Juden gegenüber zu fröhnen, indem diese, körperlich nicht mehr unterwertig, ihnen mannhaften Widerstand leisten würden. Können wir ihnen erst zeigen, dass wir den rohen Aeusserungen ihrer Leidenschaft Kraft entgegenstellen, stämmige, urwüchsige Kraft, so wird damit jenes instinktive Gefühl der Uebermacht, das im Dunkeln wirkend, dunkle Thajen an's Tageslicht förderte, schwinden, die sonst nur allzu leicht entfachte Wut wird sich verkriechen müssen; denn nur wo sie blind sich ergehen kann, da ist ihr Revier; wo sie auf Widerstand stösst, verliert sie ihre Kraft und den grössten Teil ihrer Grässlichkeit; denn jetzt ist Mut erforderlich, und Mut ist es gerade nicht, der den gegen uns gehetzten Pöbel auszeichnet; und fehlt den Hetzern der brüllende Pöbel, dann fehlt ihnen alles, und ihre giftige Wut wird höchstens sie selbst verzehren. Männer brauchen wir, Kraftmänner, Muskeljuden! Von diesem Gesichtspunkte aus haben wir Juden, in Rumänien wenigstens, jene Bestrebungen zu betrachten, die es darauf abgesehen haben uns zu Kraft, zu bewusster Kraft emporzuziehen. Hier haben sich die Verhältnisse in einer Weise zugespitzt, die rumänische Justiz hat da, wo es sich um Excesse des Pöbels gegen Juden handelte, in einer so schamlosen Weise der iustitia in's Gesicht geschlagen, dass uns, um dem Pöbel nicht ganz auf Gnade und Ungnade ergeben zu sein, nur der eine Weg zu beschreiten bleibt: Selbsthülfe. Eine persönliche Erfahrung der letzten Tage, die Erfahrungen der letzten Monate und Jahre weisen uns mit zwingender Notwendigkeit auf diesen einzigen Weg. Jüdische Turnvereine! Wo wir uns Gesundheit und Jugend wieder erringen, wo wir als Brüder einig wieder zusammenarbeiten, wo unser Auge glänzt vor Begeisterung und Liebe, nicht der thatenlosen, phantastischen Liebe zu allen Menschen, in der wir alle Menschen sahen und uns selbst dabei übersahen, Liebe zu uns, zu dem unterdrückten Menschen und Juden in uns. „Jüdische Turner in Rumänien!" Hier brauchen wir sie am allermeisten und dringendsten. Aber wir haben keine! Und solange wir die nicht haben, nicht als eine kleine Secte, sondern als organische Volksbildung, solange dürfen wir hier von einem Emporwachsen der „jüdisch - nationalen Bewegung" nicht sprechen.