Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 7/8 (7.1901)
- Date
- 1901-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7/8. 106. Im „Sprechsaal" der Deutschen Tnrrzeitung lesen wir folgende interessante Notiz: Der neugewählte Obmann des Kreisturnrats für den XV. Kreis (Oesterreich) Prof. Fritz Hirth veröffentlichte in den Kreismittheilungen vom!. Heilerts "014 nach Xoreja (1. Juli 1901) ein Sendschreiben an alle Gaue und Vereine des XV. Kreises, worin er in schwungvollen Worten seiner tiefen Freude Ausdruck giebt, dass der „drohenden Verderbnis des deutschen Edelvolkes" nach dem Leitspruch „Durch Reinheit zur Einheit" durch die „Befreiung von allen Fremdlingen" Einhalt geboten und der „Kampf um Stammesreinheit" siegreich zu Ende geführt wurde. Nach den klaren, unzweideutigen Aeusserringen aller führenden Männer und Organe der Partei von Prof. Fritz Hirth trennen unüberbi tickbare Stammesgegensätze den echten Deutschstamm von Czecher», Juden, Kroaten, Slovenen, Welschen u. a. m., und daher muss jeder unbefangene, mit österreichischen Verhältnissen unbekannte reichsdeutsche Turngenosse beim Lesen dieses Artikels den Eindruck gewinnen, dass von jetzt ab nur sogenannte „stammesreine" Deutsche in den Reihen des XV. Kreises zu finden sein werden. Dieses ist aber nicht so. Der XV. Kreis ist nach den Beschlüssen des Wiener Kreisturntages wohl so umgeändert worden, dass die jüdischen, nichtchristlichen Mitglieder ausgeschlossen worden; ein einfacher Blick auf die Mitgliederlisten lehrt aber, dass der Welsche und Slavenstänamling nach wie vor als vollwertiger Deutsche betrachtet wird, wenn er eben als Deutscher fühlt und handelt. Es ist bekannt, dass besonders in Wien und den Sudetenländern ein grosser Teil der Führer und Anhänger der Partei des Prof. Fritz Hirth aus Herren rein oder gemischtslavischer Abstammung besteht, und da wurde denn der Mantel christlicher Nächstenliebe hübsch sacht über diese Slaven„stämmlinge" gebreitet und das Prinzip mit dem berühmten „Arierparagraphen" gerettet. Ich fühlte mich verpflichtet, die Wahrheit über diese Reinigung von allen „fremdvölkischen" Elementen zu sagen. Gut Heil! Eduard Kohn, Turnwart in Oberplan, Bühmerwaldgau.