Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 7/8 (7.1901)
- Date
- 1901-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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«9. No. 7/8. Eine Prüfung im einzelnen braucht nicht das Resultat zu zeitigen, dass sie in allem recht oder in allem Unrecht haben. Man kann das eine thun, ohne das andere zu lassen. Zunächst die Vorwürfe gegen die Turnhalle. Sie richten sich meistens im Grunde und mit Recht gegen die schlecht gebauten Turnhallen, nicht aber gegen die Turnhalle überhaupt. Zweifellos stand und steht auch noch heute der Turnhallenbau nicht auf seiner Höhe. Ueberall hat man Ausstellungen an der Anlage und Einrichtung der Hallen zu machen. Und man wird Hrn. Hermann- Braunschweig recht geben müssen, wenn er manche Turnhallen mit Ställen vergleicht, die ohne Licht und Ventilation sind. Traurige Erfahrungen hat auch unser Turnverein Bar Kochba damit machen müssen. Wir haben zwei Jahre hindurch eine Gemeindeschulturnhalle benutzen müssen, neben der eine Abdeckerei sich befand 1 Besonders im Sommer drang der widerliche Gestank von Pferdeleichen in die Halle. Die sonst ausgezeichnete Turnhalle in der Gormannstrasse besitzt (oder besass wenigstens zu meiner Zeit) einen Auskleideraum, der nicht ventiliert war, und in welchem es besonders am Abend kein Mensch aushalten konnte. Etwas anders ist es, wenn in einer brauchbaren Turnhalle Jahr aus, Jahr ein, Sommer und Winter die Fenster nicht bloss nicht geöffnet werden dürfen, sondern noch an ihren Ritzen mit Fries beschlagen und hermetisch geschlossen sind, damit es im Winter einer Turnlehrerin nicht ziehe I Derartige Zustände, die sich durch zahlreiche weitere Beispiele vervollständigen lassen, zeigen, dass es den Behörden entweder am guten Willen oder am Verständnis mangelt. Und die Vereinsvorstände, welche auf solche Mängel hinweisen und ihre Abstellung fordern, begegnen meist keinem Entgegenkommen, werden oft unter dem blossen Hinweis, dass die Vereine nur geduldet werden, ohne weiteres abschlägig beschieden. Deshalb heisst es für jeden für die Turnsache Begeisterten, mit lauter Stimme das zu fordern, was uns gebührt, und sich nicht zu scheuen, diese Intoleranz öffentlich zur Sprache zu bringen 1 Dann würde manches zu erreichen sein. Und wenn Tausehde nötig wären, um diese Uebelstände zu beseitigen, was wollen sie besagen, wo es sich um die Gesundheit unseres Volkes handelt 1 Die schlechte Anlage der Turnhallen einerseits, auf der andern Seite Verständnislosigkeit und Indifferentismus der Behörden den Turnbestrebungen gegenüber sind die Hauptübel, unter denen wir leiden. Sehen wir uns die einzelnen Mängel an! Die