Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 7/8 (7.1901)
- Date
- 1901-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7/8. 88. gemässigte Richtung der Freilichtturner den Sieg errungen hat. Dies ist auch aus den diesjährigen preussischen Lehrplänen für das Turnen zu erkennen, die anordnen, dass möglichst im Freien zu turnen ist. Die Lösung dieser Frage wird so lange ihre ausserordentlichen Schwierigkeiten behalten, bis eine Aenderung eintritt — in den klimatischen Verhältnissen Deutschlands; d. h. mit andern Worten, eine glatte Erledigung wird nie möglich sein, die Frage wird stets eine offene bleiben. Es handelt sich nur darum, die Gegensätze zu mildern und möglichst beiden Teilen gerecht zu werden; aber bisher haben dies die meisten Vermittlungsvorschläge nicht vermocht. Was wollen nun überhaupt die Freilichtturner? Schon mit ihrem Namen wollen sie bekunden, dass eine rechte Turnerei nach ihrer Meinung nur in der frischen, freien, von Sonnenstrahlen durchfluteten Luft denkbar sei. Ebenso wie in die Malerei das Plein-Air seinen erfolgreichen Einzug gehalten habe, ebenso müsse ins Turnen Luft und Licht einziehen. Die harten Daseinsbedingungen unserer Kultur verlangen entschieden eine erhöhte Gesundheitspflege; eine Rückkehr zur Natur sei den meisten Menschen nicht möglich. Da muss denn eine „eigens für den Kulturmenschen ausgesonnene, gewissermassen künstlich zusammengestellte Bewegungsthätigkeit" den nötigen Ersatz bieten. Aber nicht Bewegung schlechthin, sondern Bewegung in frischer Luft. Denn nur in dieser, nicht in geschlossenen Räumen können wir die Feinde unserer Kultur, Lungenschwindsucht, Blutarmut, Nervosität, Kurzsichtigkeit etc. bekämpfen. Im Sonnenlichte sterben die Bacillen ab, unsere Lungen werden vor allem durch die Laufthätigkeit erweitert, welche beim Hallenturnen so gut wie ausgeschlossen •st etc. Vor allem aber verdiene das Geräteturnen nicht, im Vordergrunde zu stehen, Ueberhaupt sei der hygienische Wert der einzelnen Uebungen noch wenig geprüft, und im allgemeinen lasse sich sagen, dass bei allen Gang- und Stützübungen das Herz nicht so normal arbeite, die Lungen nicht so, wie es sein sollte, gekräftigt würden, dass vor allem aber das Turnen in der meist staubigen, schlecht ventilierten Halle der Gesundheit das nicht zu geben vermag, was Luft und Licht vermögen. Daher sei durch Aufnahme der Freilichtturnerei, durch Pflege der vernachlässigten Spiele und des volkstümlichen Turnens im Freien das Turnen zu ergänzen. Soweit die Einwände und die Forderungen der Freilichtturner.