Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 6 (6.1901)
- Date
- 1901-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 6. 77- Als nun einige Apostel der Spielbewegung gegen die „einseitigen Turner" den Vorwurf erhoben, sie hätten sich seit Jahn nicht genügend um die Spiele bekümmert, -stürzten sich viele Vereine mit geradezu rührendem Eifer auf jene Neckspiele und suchten im Schweisse ihres Angesichtes und im Staube ihrer Hallen zu beweisen, dass man noch immer gewohnt sei, das Spielen als eine Ergänzung des Turnens zu betrachten. Es wurde in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts geradezu Mode, bei jedem Schauturnen und Gauturnen mit mehr oder weniger Vorbereitung und entsprechender Geschicklichkeit neue Neckspiele vorzuführen. Der Hauptzweck, die Bewegung in freier, reiner Luft, wurde damit kaum erreicht, denn die Spiele wurden meistens in der Halle eingeübt, andrerseits halte ich es offen gesagt für besser, die kurze Spanne der schönen Jahreszeit, wo wir wirklich auf unseren Plätzen turnen können, auch wirklich dort zum Turnen zu benutzen, denn ein flottes Riegenturnen in freier Luft ist mir denn lieber wie Dreimannhoch oder Kreisball, die doch auch Zeit zur Einübung bedürfen, wenn sie zu den genannten Gelegenheiten vorgeführt und.....punktiert werden sollen. Ich würde auf diese Verhältnisse nicht so genau eingehen, wenn sich nicht aus ihnen heraus der gegenwärtige Spielbetrieb auf der Wiese erst bei uns und wohl auch anderswo entwickelt hätte. Das ist sicher eine der schönsten Formen, in denen wir Turner Spiele im Freien betreiben können, leider kann sie nur verhältnismässig selten angewendet werden. Sie braucht gar nicht angewendet zu werden, wenn unsere Hallen auf grossen Plätzen am Waldesrande gesund und frei gelegen wären, wie das neulich ein Leipziger Arzt und Stadtverordneter verlangt hat, leider ohne Ausfertigung eines Rezeptes. Einen Platz, und zwar einen recht grossen Platz, muss aber jeder Verein haben, der das Spielen wirklich auf die Dauer seinem Turnbetriebe einfügen will. Nach fast zehnjähriger Probe in den Schulen und auch in einigen Vereinen haben sich als Spiele von immer gleicher Anziehungskraft solche erwiesen, die nur im Freien gespielt werden können. Das sind etwa folgende: Fussball ohne Aufnehmen des Balles, Schlagball, Faustball, Barlauf, Schleuderball und Stossball. Alle diese Spiele unterscheiden sich durch ihre Natur als Kampfspiele oder Wettspiele schon dadurch von den oben mehrfach genannten Neckspielen, dass sie die Teilnahme aller Mitspieler wirklich lange Zeit rege erhalten. Umgekehrt ist