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Jüdische Turnzeitung · 1901-05-01 · 5 (5.1901) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
5 (5.1901)
Date
1901-05-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No. 5. 63. Der Staat und die Juden selbst arbeiten am Ruin des eigenen Volkskörpers, ersterer durch sogenannte „Gesetze", letztere durch ihre unvernünftige — wenn auch historisch begreifliche — sogenannte „Erziehung". So hat sich alles verschworen, den körperlichen Rückschritt, d. h. Degeneration zu befördern; Gegenbestrebungen waren bis vor kurzem kaum vorhanden, erst in der neuesten Zeit hat man den Versuch unternommen, ein wirksames Heilserum gegen die Miasmen der verpesteten Ghettoluft zu brauen — es ist der Zionismus mit seinen auf die nationale Regeneration gerichteten Bestrebungen. Man wird von einer Entartung der Ghettojuden sprechen dürfen, auch ohne die Schriften russischer, nichtjüdischer National- und Socialökonomen studiert, auch ohne Professor M and eis tarn m's glänzendes Referat gelesen zu haben, in dem er vor dem vierten Zionistenkongresse und damit vor dem Forum der Öffentlichkeit ein schauerliches Gemälde von Elend und Siechtum enthüllte, diesmal aber keine Darstellung einer Allegorie, sondern nackte, grausame Wirklichkeit — eine photographische Wiedergabe des Ghettodaseins. Wären diese Juden nicht degeneriert, so ständen wir vor einem Wunder, das alle Naturgesetze auf den Kopf stellen würde, vor allem jenes Fundamentalgesetz, dass jede Ursache eine Wirkung, jede Wirkung eine Ursache haben müsse. Die Erscheinungen, die sich in den osteuropäischen Landen zeigten, waren vor wenigen Generationen auch im Westen Europas zu beobachten. Die Sonne, die in Osteuropa noch heute Ghettomauern und Ghettogestalten bescheint, beleuchtete vor noch nicht allzu ferner Zeit dasselne Bild im Westen Europas. Auch auf der heutigen Generation lasten noch einige Steine der ehemaligen Zwingmauern, — die Vergangenheit lässt sich so schnell nicht fortwischen. Jahrhunderte lang konnte uns das Ghettoleben Wunden schlagen und degenerieren, zur Heilung und Regeneration standen uns erst einige Dezennien zur Verfügung. Wie lange ist es her, dass jüdischen Kindern der segensreiche Zwang des Turnunterrichts zu Teil wurde? Wer weiss, ob sich wohl die Juden nicht innerlich widerstrebend der ihnen aufgezwungenen Pflege der Leibesübungen hingegeben haben? Das entspräche nur dem natürlichen Laufe der Geschichte, und es wäre daher sehr thöricht, die erste Emanzipationsgeneration wegen ihres geringen Verständnisses für Leibesübungen mit Spott oder Tadel zu strafen, denn sie waren ebenso gut Kinder, ihrer Zeit, wie wir Kinder

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