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Jüdische Turnzeitung · 1901-05-01 · 5 (5.1901) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
5 (5.1901)
Date
1901-05-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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No. 5. 6a. der Lehrer hat leider ein weitgehendes Züchtigungsrecht) und Dinge hören, die dem ahnungslosen Gemüt wie dem Geist des Knaben gleich schädlich werden. Ist es ein Wunder, wenn unter solchen jammervollen Zuständen ein Jammergeschlecht mit zerrütteten Nerven und systematisch geschwächtem Körper heranwächst, ja geradezu gezüchtet wird? In der Ghettoluft können nur Treibhauspflanzen gedeihen. Es ist ein grässlicher Gedanke, dass die traurige Konstitution mit den bei den Juden ungewöhnlich verbreiteten erblichen Krankheiten, worüber gründliche Untersuchungen uns Aufschluss gegeben haben, auf das folgende Geschlecht übertragen werden sollen. Diese Krankheitserscheinungen sind meist eine Folge bitterster socialer Not, man glaubt daher, es handle sich hierbei weniger um ein specifisch nationaljüdisches, als allenthalben vorkommendes sociales Übel. Das ist zum Teil richtig, aber auch nur zum Teil. Gewiss, bei allen Völkern wird die Armut mit ihren bekannten, die Gesundheit gefährdenden Folgen beobachtet, indessen hat das Elend der russischen und überhaupt der östlichen Juden neben der socialen auch eine nationale Wurzel, die man beim Graben nach Ursachen nicht ausser Acht lassen sollte. Durch Verfügungen seitens einer Behörde, die so wetterwendisch ist wie ein Apriltag, wird der jüdischen Bevölkerung die Bethätigung in diesem oder jenem Erwerbszweige einfach verboten oder durch Chikanierung untergeordneter Beamten thatsächlich unmöglich gemacht. Da die Juden doch nun einmal leben müssen, wenden sich die von ihrem früheren Geschäft zwangsweise Losgerissenen einem anderen Erwerbsgebiete zu, das ihnen Nahrung geben soll, obwohl sie von ihrem neuen Fach garnichts oder nicht gerade sehr viel verstehen. Naturgemäss muss eine Überfüllung gewisser Berufe, gesteigerter Konkurrenzkampf und Verbilligung der betreffenden Erzeugnisse mit Notwendigkeit stattfinden. Die Lage wird schlechter und wir haben wieder die alte, traurige Erscheinung des Pauperismus vor uns — den Nährboden physischer Degeneration. Dieser Pauperismus rührt zweifellos von einem die Erwerbsmöglichkeit beschränkenden Staatsgesetz her. Jedenfalls, mag die sociale Misere socialer oder nationaler Natur, oder — was unserer Ansicht entspricht — aus beiden Faktoren gemeinsam zusammengesetzt sein, die drückende Armut der Ostlichen Judenmassen besteht ohne Zweifel.

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