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Jüdische Turnzeitung · 1901-05-01 · 5 (5.1901) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
5 (5.1901)
Date
1901-05-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No. 5. 61. wie die alles zersetzende, Gesundheit und Kraft und Lebensmut untergrabende Ghettoluft. In enge Judengassen pfercht der Russe etwa fünf Millionen Juden ein. Es gebricht ihnen an Luft und Licht; schmutzige Strassen und dumpfe Höhlen sind die Stätten, in denen sie sich bewegen, wo sie hausen. Fürwahr, eine treffliche Gelegenheit zur Ausbildung des Körpers! Kräftige, würzige Waldluft, ermüdende und sehnenstärkende Ausflüge ins Freie, wo sich das Gemüt erhebt, der Blick, sonst durch die Stadthäuser begrenzt und beengt, eine weite Fläche überschauen kann, das Herz frisch und fröhlich schlägt, ein lustiges Lied den sangesfrohen Lippen entströmt--dies alles ist den Ärmsten eine unbekannte Welt, ein schöner Traum. Nein, nicht einmal ein Traum! Wir Glücklicheren, die wir an Partien in Wälder, auf Bergeshöhen und an Seeufer gewöhnt sind, bedauern die unglücklichen Brüder, weil ihnen diese notwendige Erholung, dieser Genuss fehlt, den wir ihnen so gern gönnen und verschaffen möchten. Fühlen sie selbst aber, dass ihnen Luft und Licht, Liebe zur Natur und Freude an ihr fehlt? Sie wissen nichts von Natur. Wie soll auch Natursinn dem kommen, dessen Augen vom Studium pilpulistischer Untersuchungen und talmudischer Kasuistik gerötet sind, der sich mit transscendentalen philosophischen Spekulationen abquält und ein menschenwürdiges Dasein im Himmel sucht, da es ihm versagt ist, ein solches auf Erden zu finden. Man wird mir einwenden, diese Ausführungen können sich nur auf die Erwachsenen, nicht aber in gleicher Weise auf die Jugend beziehen. Nun gut, auch ich frage, wie steht es mit den Kindern der Ghettojuden? Die moderne Jüdin aus einer der Metropolen oder grossen Städte Deutschlands, Österreichs oder Frankreichs denkt vielleicht an ihre Kleinen, die ihr kindliches Gemüt in kindlicher Weise ergötzen, indem die Mädchen mit Puppen, die Jungen mit Bleisoldaten oder Bauklötzchen spielen. In Osteuropa haben jüdische Kinder keine Jugend, keine freundliche Erinnerung, an die sie später mit wehmütiger Liebe zurückzudenken vermöchten. Fast den ganzen-Tag werden die armen Kinder •— von frühester Jugend an — mittalmudischer Weisheit geplagt und gepeinigt; von dem Knaben, der noch nicht das zehnte Lebensjahr erreicht hat, verlangt man z. B. Kenntnis der Ehescheidungsgründe nach den Vorschriften des jüdischen Rechts! Wir empfinden tiefes, tiefes Mitleid mit den Lernenden, die ihr Hirn mit unverstandenem Zeug vollpfropfen müssen .(denn

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