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Jüdische Turnzeitung · 1901-04-01 · 4 (4.1901) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
4 (4.1901)
Date
1901-04-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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No. 4. 5a. deutet Zähigkeit und Ausdauer bis zum Ziele! Und wer bedarf dessen mehr als unser Volk? Wir werden von allen Seiten bekämpft, aber wir selbst kämpfen nicht. Wir verkrochen uns bisher in den Schutz unserer Häuser und — verfassten Proteste. Die junge — ach, so alte — Idee der Wiederbelebung des jüdischen Volkes, sie braucht Männer, kampfesfrohe und kampfeslustige Männer! Und dazu hilft uns das Turnen. Jeder muss da alles aus sich herausnehmen. Niemand kann den andern für sich arbeiten lassen. Neidlos anerkennt jeder den Tüchtigeren und wird sich der eigenen Schwäche bewusst. Auch die Selbsterkenntnis und die neidlose Wertschätzung der andern sind seltene Eigenschaften, und der Turner trögt sie ins Leben hinaus. Bis zum nächsten Wetturnen muss der Schwache stark, der Tüchtige noch tüchtiger werden. Das bedarf zielbewusster, hartnäckiger Arbeit. Und sie wird gethan. Hohe Befriedigung erfüllt den Turner, hat er ein neues Stück körperlicher Geschicklichkeit zuwege gebracht, Eine ehrliche Freude am ehrlichen Erfolge. Und die andern alle freuen sich mit ihm. Kraft, Mut und Geschicklichkeit, das sind die äusserlichen Effekte des Turnens. Dazu kommt die Disziplin. Sic hat uns bisher ganz gefehlt. Sie ist ein seelisches Produkt. Das Anerkennen der grösseren Tüchtigkeit des andern, das Einsehen der Notwendigkeit, die eignen Interessen hinter die der Gesamtheit zu stellen, das Verständnis für das System als das planvolle Vorgehen zur Erzielung der höchsten Wirkung, diese Faktoren, aus denen sich die freiwillige Disziplin entwickelt, sind die Vorbedingung des Erfolges — nicht nur beim Turnen. Fester Wille, Selbstbewusstsein, männlich freier Sinn und Heiterkeit der Seele, das sind die innneren Effekte des Turnens. Wir gewinnen so im Turnen die besten Eigenschaften für das Leben des Kampfes, welches wir Juden zu führen gezwungen sind. Aus der jüdischen Turnerwelt. Berlin. Am 23. Mörz veranstaltete der Jüdische Turnverein „Bar Kochba" seinen Jahresball im grossen Festsaal des „Vereins junger Kaufleute". Man hatte schon recht flott getanzt, als Herr Dr. Kalz um Mitternacht die Kaffeetafel mit einer Ansprache, Begrüssungs- und Tendenzrede zugleich, eröffnete. Eine ganz besondere Freude wurde den Damen durch Überreichung einer sehr hübsch erdachten Damenspende bereitet; diese bestand aus einem niedlichen Barren, resp. Reck, dessen Untersatz mit Konfekt gefüllt war. Während der Kaffeepause kamen einige Couplets zum Vortrag, und unter grosser Heiterkeit wurde dasTafellied gesungen, in dem die Spitzen des Vereins mit — Spitzen bedacht waren. Acht Damen der Frauen-Abteilung führten einen anmutigen Blumenreifenreigen, obwohl nur wenig Zeit zum Üben geblieben war, unter Leitung von Fräulein Frankel recht exakt auf. Den Höhepunkt der Veranstaltungen bildete das Barrenturnen von 8 Herren der 1. Riege unserer Männer-Abteilung,

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