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Jüdische Turnzeitung · 1901-04-01 · 4 (4.1901) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
4 (4.1901)
Date
1901-04-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No. 4. von den deutschen Turntagen fernhalten und entspricht u. E. keineswegs den Gesetzen der deutschen Turnerschaft. Denn nach dem Grundgesetz derselben, welches die Pflege des Turnens als Selbstzweck und Fernhaltung jeglicher politischer Parteiprinzipien betont, müsste doch der XV. Kreis zur Entfernung eines derartigen Paragraphen angehalten und im Weigerungsfalle aus der deutschen Turnerschaft ausgeschlossen werden. Ein derartiges Resultat will man aber in den leitenden Kreisen der deutschen Turnerschaft nicht, weil dann Hunderte anderer Vereine austreten müssten. — ^^Doch uns interessiert die ganze, hochoffiziöse Darlegung eigentlich nur zwei Richtungen hin: Einmal giebt der Herr Verfasser unumwunden seiner Ueberzeugung Ausdruck, dass in dem österreichischen Turnkreise die antisemitische Bewegung unaufhaltsam weiterdringt und nicht mehr zu hemmen ist — ein für uns höchst wertvolles Geständnis, da schon aus ihm die Berechtigung, ja Notwendigkeit jüdisch-nationaler Turnvereine für Oesterreich ohne weiteres folgt. Und zweitens behauptet der Herr Verfasser, dass die Turner im deutschen Reiche vom Antisemitismus nichts wissen wollen, eine Behauptung, für die er den Beweis schuldig bleibt. Denn wenn auch* die leitenden Kreise der deutschen Turnerschaft sich den übrigens um die deutsche Turnsache verdienten Juden gegenüber stets loyal verhielten undj in vornehm ablehnender Weise der antisemitischen Bewegung entgegen' traten, so lasst sich nicht die Thatsache wegleugnen, dass auch in den zahlreichen reichsdeutschen Turnvereinen der Antisemitismus sich wachsende Geltung zu verschaffen verstanden hat. Hunderte und aber Hunderte dieser Turnvereine haben ausdrücklich oder stillschweigend den Ausschluss der Juden proklamiert, wir erinnern an die der deutschen Turnerschaft angehörenden akademischen Turnvereine. Und selbst in den „liberalsten" Turnvereinen, in denen man Juden „duldet", wir nennen nur die von den Antisemiten als „verjudet" hingestellte „Berliner Turnerschaft", gab es und giebt es Perioden, wo die Antisemiten sich soweit hervorwagen, Antrage auf Ausschluss der Juden zu stellen. M. Z. Die „Welt" (Wien) enthält in No. 11 einen Aufsatz über das Turnen der Juden, den wir etwas gekürzt hier wiedergeben: „Grade in den Zeiten des Niederganges keimen im Volke Ideen. voller Lebenskraft, die auch, von einer Minderheit nach heftigen Kämpfen zum Siege gebracht, das Volk zu erneuter Blüte führen. Das zeigt uns z. B. die Geschichte des deutschen Volkes im vergangenen Jahrhundert, und so wird es auch hoffentlich dem jüdischen Volke im angebrochenen Jahrhundert ergehen. Die Idee lebt. Der Kampf ist entbrannt. Und wie im deutschen Volke der Gedanke Wurzel fasste, durch systematische Uebung des Leibes die Widerstandskraft im Kampfe zu erhöhen, den Mut zu beleben und den Einzelnen Vertrauen in die eigne Kraft einzuflössen, so ist dieser Gedanke auch im jüdischen Volke lebendig geworden. Das Selbstvertrauen des Einzelnen aber bedeutet auch das Vertrauen des ganzen Volkes in seine eigne Kraft, bedeutet frischen Lebensmut, be-

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