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Jüdische Turnzeitung · 1901-04-01 · 4 (4.1901) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
4 (4.1901)
Date
1901-04-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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No. 4. III. Marsch. „Wer recht in Freuden wandern will, der geh* der Sonn' entgegen!" Die schönste Reisezeit ist die von 3—9 oder 10 Uhr morgens. Dann raste man bis 3 oder 4 Uhr und marschiere noch 2—2l/2 Stunde am Spätnachmittage. Am frühen Morgen legt man bequem 3l/2—4 Meilen, nachmittags auch noch 1 Va Meile zurück, eine ganz tüchtige Leistung. Um 9 Uhr geht es spätestens in dje „Klappe". Völlig verkehrt ist das unsinnige Trinken des oft fragwürdigen Bieres, auch der Genuss von Stationsseideln auf den zu passierenden Bahnhöfen pflegt kein „Genuss" zu sein. Mag auch der Wirt ein schiefes Maul ziehen, wir brauchen ihm unser Wohlbefinden nicht zu opfern. Und ebenso bezüglich des Essens. Am besten isst man nur eine Hauptmahlzeit am Tage: ein gutes, warmes Abendbrot. Fleischspeisen zu Mittag machen — dies ist wenigstens meine Erfahrung — etwas schlaff. Man befolge nicht das „Prinzip", möglichst jedes am Wege liegende Wirtshaus zu beehren; denn Turn- und Wanderfahrten sind eben keine Bierreisen, auf denen man alle fünf Minuten zehn Minuten rastet, wie denn überhaupt selten, aber dann lange Rast zu nehmen eine alte Wanderregel ist. Und mögen auch manche solche Warnung und solches Handeln für philisterhaft halten, frei ist der Bursch und thut, was ihm gut dünkt. Euch allen aber, liebe Turnbrüder, wünsche ich für kommenden Sommer ein gutes Reisewetter und frohe Wanderlust! „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, Den schickt er in die weite Welt." Turnerische Rundschau. Zu der völkischen (antisemitischen) Bewegung im XV. Kreise der deutschen Turnerschaft (Deutsch-Oesterreich) nimmt No. 11 der „Deutschen Turnzeitung" Stellung. Bekanntlich ist die antisemitische Strömung in diesem Turnkreise so stark, dass die Mehrzahl der dortigen Turnvereine den Ausschluss von Juden durchgeführt und nur einige wenige „fortschrittliche" Turnvereine Juden zu Mitgliedern haben und solche aufnehmen; diese letzteren sind freilich so stark von Juden frequentirt, dass man sie eher als jüdische Turnvereine bezeichnen könnte. Nunmehr beabsichtigt man, auf dem zu Pfingsten in Wien tagenden Kreisturntage den Antrag zu stellen, dass Verbandsvereine nur solche sein können, „welche nur Deutsche (arischer Abkunft) als Mitglieder aufnehmen". Dieser Antrag, dessen Annahme zweifellos ist, soll die „fortschrittlichen" Vereine zur Entfernung ihrer jüdischen Mitglieder zwingen, andernfalls die sich weigernden Vereine aus dem Turnkreise ausschliessen. Die „Deutsche Turnzeitung" (resp. der vermutliche Verfasser des Artikels, Dr. Goetz, Vorsitzender der deutschen Turnerschaft) glaubt nun, diesen dem Ausschluss verfallenden Vereinen durch Gleichstellung mit den als Einzelvereine der deutschen Turnerschaft angehörenden deutschen Turnvereinen in ausserdeutschen Landern die Zugehörigkeit zur deutschen Turnerschaft erhalten zu können: also nur Anschluss an diese ohne das Bindeglied eines Gaues oder Kreises. Diese Lösung, die übrigens nur ein Notbehelf ist und die betreffenden Vereine ganz isoliert, will die Erörterung der Judenfrage

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