Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 3 (3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3. 38. Vom Wandern. Von M. Zirker. Es bleibt ein altes und wahres Wort, dass das Schönste an einer Wanderfahrt die Vorbereitung und die Erinnerung ist. Wenn wir heuer in behaglicher Kneipstube beisammen sitzen und draussen der tosende Wintersturm mit dem einziehenden Frühlinge kämpft, dann ist der richtige Augenblick gekommen, die Bilder vergangener, schöner Reisetage vor unserem Auge vorbeiziehen zu lassen. Was hört man da nicht alles für lustige lose Streiche! Und wenn der schier unversiegbare Quell der Erzählungen für kurze Zeit erschöpft ist, dann setzt sofort das andere Thema ein: wie wird es in diesem Jahre werden? Dann träumt man von sonnigen Wandertagen unter ewig blauem Himmel . . . Der Neuling, der mit gespannter Aufmerksamkeit der Schilderung vergangener Fahrten gelauscht, fühlt, wie auch ihm. das Herz von Wanderlust schwillt; auch ihn ergreift ein mächtiges Sehnen, hinaus in Gottes freie Natur zu ziehen und die Schönheiten herrlicher Sommertage in Gesellschaft gleichgesinnter Genossen mit vollen Zügen durchzukosten und in fröhliche Wanderlieder einzustimmen; auch er will mitsprechen, will Wünsche und Ratschläge geben, erfährt aber zu seiner Überraschung aus dem Munde kundiger, erfahrener Wandersieute, dass das Wandern eine Kunst sei, die erlernt sein will und, dass von ihm ganz besonders der alte Satz gilt: & SuqsIs ttvfrQwnog ov 7icuSe6sj<u d. h. wer nicht gehörig geschunden worden ist, darf Uberhaupt nicht mitreden. — Und da wohl viele Turnbrüder noch recht wenig von dieser Kunst wissen und ein Geschunden- und Zerschundenwerden am liebsten vermeiden möchten, sei es mir erlaubt, zu Nutz und Frommen aller dieser einige bewährte, alte Erfahrungen mitzuteilen, zu denen ich noch einige, wenige Ratschläge hinzufüge, die nur für jüdische Turnvereine bestimmt sind: I. Vorbereitung der Fahrt. Wer etwa glaubt, den Bädecker und das Kursbuch in der Brusttasche, noch während der Eisenbahnfahrt genügend Zeit zu haben, sich zu unterrichten, irrt sich. Eine Turnfahrt muss, will man ihr Gelingen nicht in Frage stellen, schon einige Wochen vorher bis ins kleinste genau ausgearbeitet sein; es muss der Plan im Ganzen wie in seinen einzelnen Teilen bereits fertig vorliegen; es müssen die nötigen Quartierbestellungen erfolgt und auch der Preis der Nachtquartiere in Erfahrung gebracht sein. (Man ziehe es vor, lieber auf Dörfern, als in kostspieligen Stadthotels zu übernachten.) Die Kosten der Eisenbahnfahrt sind auf Heller und Pfennig auszurechnen; durch Benutzung von Gesellschafts - karten, Kilometerheften u. a. suche man möglichst zu sparen. Überhaupt ist als einer der Hauptgrundsatze der der Wohlfeilheit zu befolgen; denn auch den Minderbegüterten soll eine Beteiligung möglich sein. Ferner: man arbeite einen genauen Kostenanschlag der ganzen Fahrt aus, den man durch Addition der Preise für Fahrt, Entrees, notwendige Mahlzeiten und sonstigen normalen Ausgaben findet, setze jedoch die Preise lieber etwas höher an. Der Kostenanschlag, sowie die Marschroute und sonstige notwendige Mitteilungen über Ausrüstung, Anmeldung, Treffpunkt sind im Turnsaal möglichst bald auszuhängen und in jeder Turnstunde besonders zu erwähnen; auf diese Weise wird man sehr bald die Namen der Teilnehm er