Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 3 (3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3. 37auch durch Ausflüge und Turnfahrten zu erreichen sucht, so ist auch hierdurch eine weitere Möglichkeit der gegenseitigen Annäherung und der daraus entspringenden Anerkennung gegeben. Dieser Turnverein musste aber vor allem eine jüdisch-nationale Grundlage haben. Was wir unter „jüdisch-national" verstehen, ist in der ersten Nummer des ersten Jahrganges dieser Zeitung mit klaren Worten gesagt worden, und die Pflege dieses echt jüdischen Geistes musste eine unserer Hauptaufgaben sein. Der Gedanke, dass wir Juden, dass wir die Glieder einer Kette nur sind, die sich seit Jahrtausenden ununterbrochen dahinzieht, dieser Gedanke musste wieder erstarken, musste in denen, die ihn kraft ihrer Erziehung bereits mitgebracht hatten, gekräftigt werden. Wir mussten lernen, die Güter, die wir von den Vätern ererbt, für uns zu erwerben, sie mit Stolz unser eigen zu nennen. Dieses hohe Ziel konnten wir zur Zeit in keiner andern Weise erreichen, der oben geschilderten sittlichen Judennot in keiner anderen Weise beikommen, als eben dadurch, dass wir jüdisch-nationale Vereine gründeten. In diesen Vereinen können wir die Begeisterung für unser Judentum, und dadurch für unsere Tradition, unsere Geschichte, unsere Zusammengehörigkeit zu neuem Leben wieder erwecken. Namentlich das so lange geschwundene Gefühl der Zusammengehörigkeit, die bisher leider nur in der Phantasie unserer Gegner bestand, kann nun auf einer gesunden Grundlage sich kräftig entwickeln, so dass wir freudigen Mutes einer Zukunft entgegen sehen können, die uns für alle Fälle mehr bringen wird, als wir uns in unsern Assimilationsträumen in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts ausmalen konnten. Wir haben oben ausgeführt, dass wir krank waren, krank an Körper und Geist, jedoch wollen wir gesunden, wir wollen nicht sterben, nein, leben wollen wir in der Atmosphäre, in dem Geiste, in der Gesinnung, in der allein wir glücklich werden können: als körperlich und geistig kräftige Juden. Wann wir dieses Ziel ganz erreichen werden, wir wissen es nicht; das aber wissen wir, dass wir es sicher erreichen werden, wenn wir wollen und, unbeirrt durch Feinde und schlechte Freunde, ihm mit aller Macht entgegen streben. Unser Turnverein, der in glücklicher Harmonie Körper und Geist für unsere Aufgabe stählt, möge dieses edle Ziel nie aus den Augen verlieren.