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Jüdische Turnzeitung · 1901-03-01 · 3 (3.1901) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
3 (3.1901)
Date
1901-03-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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No. 3. 36. Das konnte nicht so weitergehen; es musste eine entschiedene Änderung eintreten. Langsam und schüchtern zunächst, dann immer stärker machte sich das Bestreben geltend, die seit mehr als zwei Generationen ihrem Judentum entfremdeten Juden wieder demselben zuzuführen. Ein neues Leben begann sich in dem alten, halbmorschen Stamm zu regen, und neue Blätter, neue Blüten entsprossten ihm. Die Lösung der Aufgabe war nicht leicht. Eifer und Begeisterung allein führten nicht zum Ziel; denn es galt, nicht für eine kleine Gruppe allein, sondern für alle Juden einen Weg zu bahnen. Als das zunächst allein geeignete Mittel hierfür, welches auch für spätere Zeiten neben anderen das beste sein wird, kam die Gründung jüdisch-nationaler Turnvereine in Betracht. Bei dem Mangel jeder politischen Organisation der Juden war eine andere Möglichkeit, als die im Wege der Vereinsgründung vorzugehen, überhaupt nicht gegeben. Dieser Verein hatte die verschiedensten Aufgaben zu erfüllen; er sollte einmal die einzelnen socialen Kreise des Judentums, die einander im Laufe der Zeiten immer mehr entfremdet waren, zu gemeinsamer Thätigkeit verbinden, er sollte ferner — unter Zurückweisung aller rein religiösen und politischen Tendenzen — das geschwächte jüdische Selbstbewusstsein stärken, und — last not least — er sollte vor allem, da ein gesunder Geist nur in einem gesunden Körper wohnt, den Sinn für Ausbildung eines kräftigen Körpers unter uns wieder zu Ehren bringen. Alle diese Bedingungen erfüllt nur ein jüdisch - nationaler Turnverein. Denn nur ein Turnverein ist am besten im stände, nicht nur die zuletzt erwähnte Aufgabe zu fördern, sondern auch sociale Gegensätze auszugleichen, da auf dem Turnboden unbedingte Disciplin herrschen muss, und deshalb jedermann gern und willig dem Turnwart, dem Vorturner gehorcht, ohne Rücksicht darauf, ob dieser auf der socialen Stufenleiter des Lebens eine Sprosse höher oder tiefer steht. Ist nun die Pflege der Disciplin an sich, namentlich für jüngere Leute, schon ein ausgezeichnetes Erziehungsmittel, so lehrt sie auch in dem Nebenmann, er sei, wer und was er wolle, den Kameraden anerkennen, der den gleichen Vorschriften unterworfen ist, in dem Vorgesetzten, er gehöre einem beliebigen Stande oder Berufe an, den wenigstens auf dem Turnboden Befähigteren zu achten. Da überdies ein gut geleiteter Turnverein sein Ziel nicht ausschliesslich durch Turnen, sondern

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