Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 3 (3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3. 34- Von unserer höheren Warte aus gewinnt das Turnen eine eminente Bedeutung für die Erziehung des Volkes. Die Schule giebt immer mehr ihre Neigung zu einseitig intellektualistischer Bildung auf, schlägt die Bahn zu harmonischer Vervollkommnung des Körpers, Geistes und Willens ein und nähert sich so dem griechischen Ideal der Kal^okagathia.8) Keinem Volk ist die Pflege des Turnens so dringend nötig, wie gerade dem jüdischen, dem schmähliche Unterdrückung eine freie Entwicklung des Körpers versagte. Kein Volk leidet so sehr unter der übertriebenen Wertung des Geistes, wie das jüdische — eine notwendige Folge seiner Geschichte. Eine derartige Einseitigkeit muss schädlich wirken. Auch der Körper verlangt sein Recht. Unser Volk muss sich ermannen, Sinnen und Grübeln werden uns nimmermehr erlösen; deshalb wird man im jüdischen Volke Kunst und Wissenschaft nicht niedrig einschätzen. „Doch in dieser Zeit" (das können wir mit noch besserem Rechte von uns sagen), „da die Völker zur Selbstbestimmung erwachen, gilt auch unserem Volke der kraftvolle Wille und die entschlossene That mehr als Denken und Wissen. Darum fordert es für seine Jugend und für sich ausgiebige kräftige Leibesübungen, in denen die Willenskraft voll entwickelt, kräftig erprobt und fest gestählt wird." ach einer längeren Zeit der allmäligen Entwicklung, der Klärung 1 ^1 der Verhältnisse, ist der Turnverein in ein Stadium des normalen und gesunden Gedeihens getreten; fest hat er sein Ziel im Auge, und unbeirrt schreitet er auf seiner Bahn fort. Deshalb ist jetzt der geeignete Moment gekommen, um dieses, ursprünglich mehr in leidenschaftlicher Vorstellung, als in seiner ganzen Klarheit erfasste Ziel einer näheren Untersuchung zu unterziehen. Dazu ist vor allem nötig, die Vergangenheit, die Ursachen, die mit Notwendigkeit zur Gründung gerade eines jüdisch-nationalen Turnvereins führten, zu würdigen. ihre natürliche Grenze findet; man hüte sich also, zu überschätzen, was man so lange vernachlässigt hatl Eingeborene Triebe und Leidenschaften lassen sich nicht etwa durch Stabspringen oder Überschlag am Barren ausrotten — das ist eine andere Frage. 8) D. h. Verbindung und Durchdringung des Schönen und Guten. Zeitgedanken. Von Haiwri.