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Jüdische Turnzeitung · 1901-03-01 · 3 (3.1901) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
3 (3.1901)
Date
1901-03-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No. 3. 33- Turnerei allein zu beschränken, denn auch dem Sport, sowie dem Spiele kommt eine erziehliche Bedeutung für den Willen zu. Freilich, der „Sport" im schlechten Sinne des Wortes ist nicht darunter zu begreifen. Wer berufsmässig Sport betreibt, um Geld zu gewinnen, wie es z. B. die wüsten Rennfahrer und Akrobaten mit ihren geschraubten, durchaus einseitigen Leistungen thun, pflegt eine rein körperliche Übung, das geistige Moment muss immer mehr zurückgedrängt, ja schliesslich ausgeschaltet werden. Der „Rekord" ist um so besser zu erzielen, je automatischer die Muskeltrainierung und Pedaltreterei erfolgt. Diese Sorte von Sport verurteilt Koch, das Vernünftige und Brauchbare eines gesunden Sports durchaus anerkennend, 5) mit einer Deutlichkeit, die nichts zu wünschen übrig lässt — ein Standpunkt, mit dem wir uns zu unserer Freude völlig identifizieren können.6) Indem wir Spiel, Sport und Turnen als schätzenswertes Mittel zur Willenserziehung und Charakterbildung anerkennen, streiten wir den Leibesübungen jenen bloss grob-körperlichen und allenfalls hygienischen Charakter ab, den man ihnen von Seiten der Anatomen, Physiologen und Ärzte so gern aufprägen wollte. Nicht nur der Mediziner, sondern auch der Pädagoge, jeder innerhalb der Grenzen seines Berufes, muss dem Turnen und verwandten Gebieten körperlicher Bethätigung das Interesse entgegenbringen, das die Wichtigkeit des Gegenstandes erheischt. Dann wird die geistige Seite der Leibesübungen, die Pflege des Mutes, als ausschlaggebende erscheinen. Der Schüler braucht von dieser Absicht nichts zu wissen, er turnt, wie er sagt, „weil es ihm Spass macht," wenigstens ist das, wie ich aus eigener Erfahrung weiss, häufig der einzige Beweggrund zum Turnen. Der Wille wird, auch ohne dass der Übende es bezweckt oder ein dickes wissenschaftliches Werk über die geistige Seite der Leibesübungen gelesen hat, erzogen.7) 6) „Es wäre thöricht, wenn man deshalb einen ganzen Sport verwerfen wollte, weil einzelne ihn so missbrauchen, wenn man z. B. die zwei bis drei Millionen deutscher Radfahrer für den argen Unfug verantwortlich machen wollte, der einigen wenigen — es werden kaum Tausende sein — bei den ausgearteten Radwettrennen zur Last fällt." •) Vgl. in der »Jüdischen Turnzeitung", Jahrg. I, No. 8 meinen Aufsatz; „Der Sport und die Gesellschaft." 7) Der uns zur Verfügung stehende, knappe Raum gestattet uns, unseren Gegenstand nur in allgemeinsten Umrissen zu behandeln. Doch mochte ich wenigstens andeuten, dass die Erziehung auf dem Turnboden oder dem Spielplatz

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