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Jüdische Turnzeitung · 1901-03-01 · 3 (3.1901) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
3 (3.1901)
Date
1901-03-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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No. 3. 31. dem Geist jede Einwirkung auf den Körper abgesprochen, indem sie jede Wechselwirkung zwischen Körper und Geist leugneten. Gedanke, Wille und Gefühl wurde als Produkt der Bewegung materieller Atome erklärt, eine Meinung, gegen die sich auch der Philosoph Lotze sehr entschieden wandte. „Aber — die seelischen Vorgänge sind an körperliche Bedingungen überall notwendig angeknüpft. Jener Irrtum erklärt sich eben daraus, dass diese Bedingungen in übertriebener Weise als Ursachen aufgefasst wurden. Der Willensakt an sich vollzieht sich im Geiste, seine Innervation aber ist von den mannigfachsten körperlichen Verhältnissen abhängig." Welche bedeutende Rolle der Wille bei Leibesübungen spielt, dafür mag ein einfaches Beispiel zur Erläuterung dienen. Der Turner geht ruhig und sicheren Schrittes einen in der Turnhalle aufgestellten, niederen Schwebebaum entlang. Denken wir uns dasselbe Gerät in einer Höhe von zwanzig Metern angebracht, oder über einem Flusse — etwa als Brückensteg — errichtet. Es ist kein höherer Grad von Geschicklichkeit erforderlich, vielmehr ist die Leistung absolut genommen in allen drei Fällen die gleiche, und doch stutzt unser Turner, der uns soeben seine Sicherheit im Balancieren bewiesen hat! Wir verstehen dieses Zögern. Die Vorstellung von der mit dem Überschreiten verbundenen Gefahr, schwindelig zu werden und abzustürzen, oder, falls unser Freund nicht schwimmen kann, zu ertrinken, beeinflusst den Willen ausserordentlich stark. Unmöglich „werden wir die Furchtempfindung als etwas rein Körperliches ansehen können"; die im Körper erfolgenden physikalischen und chemischen Prozesse sind „wägbar und messbar," nicht aber „der Mut, der für das Wagnis entscheidet." Eine rein körperliche Ausbildung würde hier, wie wir eben sahen, keinen Erfolg erzielen, denn der Turner wagt es trotz seiner Kunstfertigkeit nicht, den hohen Schwebebaum zu betreten; ohne eine richtige Willenserziehung wird er zaghaft und mutlos vor der gefährlich scheinenden Übung zurückschrecken. Die sokratische Ansicht von der Lehrbarkeit der Tugend ist schon von Aristoteles widerlegt worden und darf als völlig überwunden betrachtet werden. Aber trotz dieser Erkenntnis hat man sich nicht entschlossen, die nötigen Konsequenzen zu ziehen. In der Schule wird noch viel zu sehr der intellektualistischen Auffassung gehuldigt, das Turnen wird so nebenbei getrieben, als eine unwichtige, belanglose Sache. Wir wissen nun, dass die 3*

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