Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1901-03-01 · 3 (3.1901) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
3 (3.1901)
Date
1901-03-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4921092-5965005-5965146--0154-4921233
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

No. 3. 30. wird unvermerkt seine philosophische Anschauung überall hineintragen und durch die Brille einer vorgefassten Meinung sehen. Neuerdings hat endlich ein Gelehrter von Ruf den schwierigen Gegenstand einer unbefangenen Betrachtung unterzogen und sich dadurch ein grosses Verdienst um dieLösung der Streitfrage erworben. Man hat eine Zeit lang die jetzt als irrig verworfene Meinung vertreten, dass durch körperliche Übungen der Verstand geschärft werden könne; von anderer Seite wurde dagegen behauptet, dass Körperstärke nicht den geringsten Einfluss auf die geistige Beschaffenheit des Menschen auszuüben imstande sei. Freilich hat es zu allen Zeiten Menschen mit verkrüppeltem und schwächlichem Leibe gegeben, der eine bedeutende geistige Fähigkeit in sich barg — ich erinnere hier an den jüdischen Philosophen und Reformator Moses Mendelssohn — aber die wenigen Beispiele, die man anführt und anführen kann, würden doch nur darthun, dass Ausnahmen die Regel beweisen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass Körperkraft und Wohlbefinden eine segensreiche Einwirkung auf das geistige Verhalten auszuüben vermögen, indessen darf man nur an eine indirekte Beeinflussung des Geistes durch Leibesübungen denken. Hingegen ist ihnen auf dem Gebiete der Willenssphäre eine entschiedene und zwar unmittelbare Bedeutung, nämlich für die Charakterbildung, zuzumessen. Welche Kräftigung könnte zum Beispiel eines zimperlichen Menschleins Wille erfahren, der vor dem kleinsten Hindernis, der geringsten Gefahr, scheu und ängstlich zurückschreckt, schon nach kurzer Anstrengung in Ermattung und weinerliche Klagen verfällt, wenn er rechtzeitig der Segnungen körperlicher Schulung teilhaftig würde! Bei Körperbewegungen vollziehen sich nach Professor Koch stets drei Thätigkeiten: 1) Die vom Gehirn oder Rückenmark ausgehende Willensanregung. 2) Die Fortpflanzung dieser Willensanregung auf der richtigen Nervenbahn. 3) Die entsprechende Rückwirkung des Muskels. — Bisher wurde gewöhnlich nur die Muskel- und Nervengymnastik beobachtet, während die Willensthätigkeit keine Berücksichtigung fand. Vom Standpunkte der modernen Atomtheorie aus haben die Physiologen 3) in der Regel 2) In diesem Aufsatze folgen wir der gründlichen und grundlegenden Arbeit von Prof. Dr. Konrad Koch: „Die Erziehung zum Mute durch Turnen, Spiel und Sport. Die geistige Seite der Leibesübungen.* 8) Als bemerkenswerte Ausnahme verdient das Handbuch von F. A. Schmidt „Unser Körper" Erwähnung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.