Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 2 (2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2. 10. Schrift, welche allen jüdischen Eltern dringend empfohlen werden kann weil sie selbst da, wo nicht ausdrücklich die jüdische Jugend als Beispiel angeführt wird, dieser gewisser/nassen auf den Leib geschrieben ist, hat der Verfasser es unternommen, die hohe Bedeutung eines tiefen Gemütslebens für die Nervengesundheit in trefflicher Darstellung zu schildern. Wir Juden müssen die Quellen dieser Gemütsbildung wiederdort suchen, wo sie für unsere Vorfahren in unerschöpflicher Frische gerauscht haben. Das Judentum muss für unsere Kinder wieder — wie Berthold Auerbach so schön sagt — eine „Gemütsheimat" werden, wohin sie sich stets, Friede und Labsal für die Seele findend, zurückziehen können, wenn die rauhe Hand des Alltagskampfes sieabstösst. Die Schwankungen des Nervenlebens, welchen gerade das jüdische Kind ausgesetzt ist und die sein inneres mit Zerrissenheit bedrohen, brechen sich nur an einem harmonisch ausgebildeten jüdischen Gemütsleben. Unsere jüdischen Turnvereine haben deshalb auch in Erkenntnis der pädagogischen und hygienischen Bedürfnisse gehandelt, wenn sie ihre Bestrebungen auf echt jüdischen Boden gestellt haben. Die von den Nervenärzten gerade für die jüdische Jugend geforderte Gemütsvertiefung kann nicht erreicht werden, wenn man, wie es neulich von einem an der hervorragendsten Stelle in Deutschland amtierenden Rabbiner geschehen ist, den jüdischen Festtagen das nationale Mark auszieht und sie zu Trägern dürrer abstrakter und philosophischer Ideeen degradiert. Wo bleibt da das Verständnis für die Regungen des kindlichen Gemütes? Wenn die Nervenärzte über die Zerfahrenheit der jüdischen Gemütsbildung besonders in den stark assimilirten Kreisen Klage führen, so betonen sie übereinstimmend den Hang der Juden zu einseitiger geistiger Dressur in der Erziehung. Die Ursachen sind ja freilich verständlich und machen diese Neigung entschuldbar. In einer nervös belasteten Menschenkategorie, wie wir sie einmal darstellen, darf sich der elterliche Ehrgeiz, welchervon denKindern hervorragende intellektuelleLeistungen oder mehr noch deren Bestätigung durch Schulerfolge fordert, nicht die Zügel schiessen lassen, und der kindliche Ehrgeiz nicht unvorsichtig früh geschürt werden. Freilich verleitet der von mir schon angedeutete Umstand der höheren geistigen Veranlagung leicht dazu. Nervös belastete Kinder bieten oft