Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 2 (2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4921092-5965005-5965145--0137-4921217- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 2. 18. die Idee, welche sie vertreten, die Methode, welche sie befolgen, von denen man wünschen muss, dass sie in den jüdischen Häusern Eingang finden. Die Abhärtung und Stählung des Körpers bildet einen mächtigen Schutzwall gegen die das kindlich? Nervensystem gefährdenden Feinde aus dem Lager der üblichen Erziehungsmethoden. Speciell das Turnen gestattet eine ausserordentlich mannigfache Bethätigung der Körperkräfte und Formen, so dass die Muskulatur und die Organe die verschiedenartigsten wohlthätigen Beeinflussungen erfahren. Das*Turnen hat den weiteren Vorzug, dass der Körper auch für die Fähigkeit, Schmerzen zu ertragen, etwas gewappnet wird. Dann wird Disciplin und Ordnung angewöhnt, durch die Turnspiele harmlose, frohe Geselligkeit gepflegt. Ich brauche weder in längeren Ausführungen die Zweckmässigkeit dieser Dingefür die Nervenhygiene zu begründen, noch, den Nachweis zu bringen, wie notwendig gerade für unsere Juden eine derartige pädagogische Einwirkung ist. Aber auch ausserhalb solcher turnerischer Uebungen muss eine von allen Ausartungen freie Abhärtung des Körpers (Gewöhnung an die Schwankungen der Witterung, an Wasser u. s. f.) erstrebt werden. Insbesondere kann für jüdische Kreise die Einhaltung einer einfachen Diät und Lebenshaltung nicht eindringlich genug gepredigt werden. Dabei spielt ebenso, wie das physische Moment, auch ein moralisches mit, das für die Nervenhygiene von nicht geringerer Bedeutung ist. Zu den grimmigsten Schädlingen auf dem Gebiete der Nervenhygiene gehört die Blasiertheit, welche durch Eindämmung von früh und vorzeitig gebotenen Genüssen bekämpft werden muss. Hter ist der auch von unseren jüdischen Turnvereinen gepflegte Natursinn ein kardinales Mittel. Reine, edle Freuden werden dadurch der Jugend erschlossen, welche keine heftigen Gemütserregungen einschliessen, sondern ruhig und friedlich den Ideen- und Gefühlskreis mit erfrischenden Eindrücken beleben. „Ein Hauch der Luft kann einem Kraft und neue Sinne geben» sagt G. Hirschfeld in seinem uns so nah berührenden Drama „Agnes Jordan."— In einem vor etwa Jahresfrist erschienenen Vortrage von Professor H. Oppenheim,, Nervenleiden und Erziehung," einer