Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 1 (1.1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1. 8. eine Ironie der Geschichte klingt es, dass selbst und gerade solche jüdische Kreise, welche es mit Entrüstung ablehnen wurden, durch Hinzufügen religiöser oder nationaler Elemento zu der Erziehung ihrer Kinder deren Abstammung zu berücksichtigen, sich einer solchen Rücksichtnahme aus hygienischen Gründen nicht entziehen können. Auch dio Fahnenflucht rettet nicht vor dem „magischen Jndcnkreise", in welche dio Erziehung aus hygioi irischen Rücksichten verbannt werden rauss. Gerade in jenen Zirkeln, in denen man bestrebt ist, den Makel der Geburt, der den Kindern anhaftet, durch Erhebung derselben zu oinom höheren Masse von Besitz äusseren und inneren Bildungsstoffos, fachmännischer Intelligenz und gesellschaftlicher Gewandtheit zu verwischen, rächt sich die Nichtachtung der Horkunlt von einem nervös disponierten Stamme in oiner unverkennbaren Grausam* keit. Diese Prozesse spL-len sich in den erwähnten Kreisen unter tragikomischen Begleiterscheinungen ab, die bei aller ernsten Bedeutung dffr Sache uns nicht selten ein Lächoln abnötigon. Für unsere grosse jüdische Bevölkerung bedeutet das gokennzeichnoto erzieherische Problem indes eine vitale gesundheitliche Aufgabe. Turnerische Rundschau. In einer der letzten Nummern der „Akademischen Turnbunds blätter" wird über die deutsch-völkische Bewegung in den österreichischen Turnvereinen berichtet, deren Spitze sich hauptsächlich gegen das Judentum richtet. Am meisten wird uns Natiorialjuden an diesem Berichte, der übrigens in der darauf folgenden Nummer vom Vorsitzenden der deutschen Turnerschaft, Dr. med. F. Goetz (-Leipzig) in der Hauptsache als ganz unzutreffend bezeichnet wird, folgendes interessieren: Manche Vereine, welche ihrer Zusammensetzung und Gesinnung nach „rein deutsch" seien, können wegen besonderer Verhaltnisse sich der völkischen Bewegnng nicht anschliessen. „Ein Verein z. B. in Böhmen hat eine neue Turnhalle erbaut und darauf 150000 Gulden Bauschulden gemacht. Da er das Geld von jüdischen Banken und Geldmännern entlieh (dazu sind Juden wohl gerade noch gut genug? Die Red.), sind ihm nun natürlich die Hände gebunden. In einem anderen Verein sind alle ausübenden Turner stramm völkisch; als sie sich aber ihrer zahlreichen jüdischen unterstützenden Mitglieder entledigen wollten, fanden sich diese vollzählich in der Vereinsversammlung ein, wo sie sich sonst noch nie hatten sehen lassen und überstimmten die eigentlichen Turner, die sie allerdings gegen ihren Willen fort ,unterstützen'." Vielleicht hat auch hierbei der Verfasser, cand. med. Potpeschnigg,