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Jüdische Turnzeitung · 1901-01-01 · 1 (1.1901) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
1 (1.1901)
Date
1901-01-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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No l. 7. nur an Ghottothoro, hinter welchen ein gequältes Judsndasoin sich ver- «chloss, sondern auch an Mauern, welche ein zufriedenos, abgeklärtes Glück bargen. Dio Emancipation hat uns .sicherlich das norvenberuhigendo Geschenk oinor Sosshaftmachung gebracht, in welche die Gefahr der jähen Verstossung nicht, wie bei unseren östlichen Stammesgenossen, hineingreift. Unsern ererbten neurasthenischen Charakter zu tilgen, haben die paar Jahrzehnte um so weniger vermocht, a!s sie eine fruchtlose Ueberanspannung dor geistigen Kräfte provozierten. Wir fühlten uns zur Mitarbeit und Konkurrenz berufen in einer ZVitopoche, welche die geistigen Fakultäten der Menschheit ungemossen anspannt. Es war vorauszusehen, dass das Volk des „Lernens" sich mit voller Gier auf dos Wissens Born, der ihm solange verschlossen war, stürzte und ohno Z:igen in den Wettbewerb eintrat, der um die Hebung dor Kultur und Intelligenz der Menschheit sich entspinnt. Hin Organismus, durch jahrtausondlange Misshandlung geschwächt., verträgt indes solchen Kampf nicht ohno Einbusso an Nervenkraft. Und je mehr wir schon, wie im Kampf ums Dasein, der für uns trotz aller „Gleichberechtigung" ein drei- und mehrfach schwererer war, Wissen und Können, Gewandtheit und Routino den Ausschlag geben, um so weniger waren wir darauf bedacht, dass für die Gesundheit unseres Leibes und unserer Seele dor Besitz dieser Eigenschaften nicht nur nicht ausreicht, sondern zum Schaden wordo, wenn nicht ein gewisses Maass körperlicher und geistiger Ausspannung und dann aber auch eine Fürsorge für die Ausgestaltung unseres Gemütslebens ausgleichend hinzutritt. Dem Principe dos Intellektualismus habon wir uns gewöhnt auch in der Erziehung unserer Kinder zu sehr zu huldigen und dorn ist es mit zu verdanken, dass über dem Haupto unserer Kindor, trotz dor gewaltigen Vorzüge, deren sie sich vor ihren östlichen Ghettogenosson zu erfreuen habon, dio Gefahr der nervösen Erschöpfung obons) schwebt wie sie Mandelstamm für seine östliche Jugend befürchtet. Wenn man aber etwa in der resignirten Ueberlcgung, dass das Gesetz der Vererbung, durch welche die nervöse Disposition in unserem Stamme sich fortwälzt von Geschlecht zu Goschleclit, unaufhaltsam ist, dio Hände in den Schoss legen wollte, so muss darauf vorwiesen werden, dass in dor Erziehung t'ino Macht gegeben ist, durch welche dio nervöse Eigenart wohlthätige oder schädliche Umbildungen orlahren kann, welche wioderuin auf die Nachwelt übertragen werden. So erhebt sich aus dor Betrachtung der nervösen Konstitution des jüdischen Volkes die pädagogische Forderung, dass wir — um in allgemeinen banalen Woiten zunächst zu sprechen — bei dor LYziehung unserer Kinder auf ihre jüdische Abstammung Rücksicht nehmen. Wie

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