Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 8 (12.1900)
- Date
- 1900-12-01
- Page
- Seite 90 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4921092-5965003-5965142--0104-4921187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ho. 8. selten verirrt sich ein Artikel, der dem Turnen den Vorzug vor dem Sport zuerkennt, in eine gelesene Zeitschrift.*) Was ist denn nun eigentlich der Sport? Ist jeder Radler ein Sportsmann und jeder Kegler als dem Sportsteufel verfallen zu betrachten? Selbstverständlich betreiben auch die eingefleischtesten Turner Sportsübungen und zwar mit Recht, indem sie nämlich in den vollkommen unpädagogischen Sport eine planvolle Turnsystematik hineinbringen. Umgekehrt lassen sich Turnübungen zu einseitigen Sportsleistungen herab- (1 rücken. Sehr häufig findet man bei Turnern im Verhältnis zu der kräftigen Brust und den starkentwickelten Oberarmrauskeln dünne Beine. Hier ist, wenn auch unbewusst, der Sport an die Stelle des Turnens getreten. Wir verwerfen den Sport im Sport, il. h. die unvernünftige Uebertreibung einer an sich empfehlenswerten Uebung, nicht aber die Uebung selbst, deren turnerischen Wert wir gern anerkennen. Das Unmässige, der eigentliche Sport, gefällt der Gesellschaft und wird von ihr geradezu gezüchtet. Die römischen üladiatorenkämpfe und spanischen Stiergefechte haben sich in Dauerfahrten von vierund/.wanzig und mehr Stunden gewandelt. Die blasierte Gesellschaft bedarf eben ganz ausserordentlicher Nervenreize, um Interesse zu gewinnen, und wir begreifen jetzt, weshalb sie ihre Zuflucht zum Sport genommen hat. Freilich giebt es Ausnahmen von dieser Regel, indess handelt es sich für uns um die Zeichnung des gesellschaftlichen Durchschnittes, des Gesellschaftstypus. Pariser Reformjudentum. Von Jehuda. Man hat gesagt, die Geschichte gleiche einer Spirale, sie komme immer auf denselben Punkt zurück, aber an einen höheren Ort. Die eine Seite dieses Vergleiches ist ohne Zweifel zutreffend; wir Juden besonders haben reichlich Gelegenheit zu beobachten, dass die treibenden Kräfte in der Geschichte der Völker dieselben, bleiben, so mannigfaltig auch die Formen sind, unter denen sie in die Erscheinung treten. Die andere Seite dieser Theorie wird von grossen Perioden unserer Geschichte durchaus nicht bestätigt: niemand wird behaupten, dass die Aeusserung der nationalen Gegensätze, namentlich was das Verhältnis der Völker + ) Vifl. in <ler ..Zukunft" vom!:!. Oktober 1HOO den Anfnatz „Tnriien und Sport" vou Eduiniid Nunciidorff.