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Jüdische Turnzeitung · 1900-12-01 · 8 (12.1900) · p. Seite 89

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
1 (1900)
Issue
8 (12.1900)
Date
1900-12-01
Page
Seite 89 (sequence 9)
Language
German
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8o. 8. 89. Göttlichkeit zu verspüren und kommt zu dem Ergebnis, dass nicht alles was glänzt, Gold ist, und wenn es selbst — Talmi wäre. Man hat seit Langem die eigentümliche Thatsache beobachtet, das» gerade die feine Gesellschaft mit besonderer Vorliebe sportlichen Neigungen huldigt. Diese Vorliebe ist psychologisch vollkommen verständlich, denn der Geist der Gesellschaft ist dem des Sportes kongenial: Beiden wohnt ein Zug von stark hervortretender Aeusserlichkeit inne. Die Gesellschaft will eine Rolle, natürlich eine angemessene, spielen, und die Folge ist häufig jene zur Schau getragene, Aufmerksamkeit erregen wollende Pfaueneitelkeit, welche wir Protzentuni nennen. Dieses aufdringliche Element ist auch im Sport vorhanden, der Sport will sich sehen und bewundern lassen. Daher haben wir regelmässige Sportsleute auf der einen, und Zuschauer auf der anderen Seite; der Turner dagegen produciert sich nur ausnahmsweise. Die Zuschauer schrauben mit der Zeit ihre Ansprüche immer mehr in die Höhe, demgemäss muss der Sport auf Raffinement bedacht sein und er packt den modernen Menschen da, wo er am schwächsten ist: bei den Nerven. Aufregende Wettkämpfe zu Ross und zu Rad werden veranstaltet, und das schliesslich^ Ziel ist, den Record oder wenigstens den Gegner zu schlagen. Nebenher mag noch erwähnt sein, dass die Sucht, zu wetten zu einer ständigen Begleiterin sportlicher Schaustellungen geworden ist. Der Sport bezweckt nicht, wie das Turnen, allseitige Ausbildung und Vervollkommnung des gesamten Körpers, sondern einseitige Uebung einzelner Muskeln oder Gliedmassen, z. B. der Arme durch Athletik, der Beine durch Radfahren. Die Folge von dauernd betriebener Sportsthätigkeit ist auch entsprechende Vergrösserung und Verstärkung des in Frage kommenden Gliedes, oft derartig unnatürlich und auffallend, dass man von Missbildung zu sprechen berechtigt ist. Diese Missbildungen sind nicht nur hässlich, sondern können selbst eine für die Gesundheit nachteilige Wirkung hervorrufen, insofern als der Sportmuskel eine grössere Nahrungsmenge aufnehmen muss, die er den in seiner Nähe liegenden Muskeln entzieht. Trotz dieser schlimmen Erscheinungen gewinnt der Sport täglich neue Anhänger in der Gesellschaft. Die Sportrubrik, die von den Tageszeitungen eingerichtet wurde, weil man ein Bedürfnis des Publikums befriedigen zu müssen glaubte, wird zur Sportbeilage, üeber turnerische Angelegenheiten wird dagegen nur selten berichtet, und nur

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