Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 8 (12.1900)
- Date
- 1900-12-01
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Ho. 8. 88. des Stammesbewusstseins sollten sich somit gerade diejenigen angelegen sein lassen, die die berufenen Vertreter des Judentums zu sein behaupten, zumal zum Unterschiede von religiösen Ideen der Nationalgedanke im allgemeinen dem modernen Empfinden nicht zuwider ist. Damit soll kein feindlicher Gegensatz zwischen Religion und Nationalität konstruiert, sondern nur die letztere als das einigende Moment in den Vordergrund gerückt werden. Ist erst die Anschauung durchgedrungen, dass jeder Jude, der von dem Wunsche beseelt ist, für die Ehre und das Wohlergehen des jüdischen Volkes einzutreten, ein guter Jade ist und weiter bleiben kann, dass man an der Pflege der geistigen Güter des Judentums teilnehmen kann, ohne durch die Einschwörung auf ein religiöses Dogma hierzu officiell ermächtigt zu sein, dann werden solche Stimmen wie die des Herrn Benediktas Levita seltener zu hören sein als jetzt. Darauf ist auch der wunderbare Einfluss der zionistischen Bewegung auf diejenigen StammesgenoBsen zurückzuführen, die an dem Fortbestand des Judentums zweifelten und sich nicht mehr veranlasst sahen, ihre Kräfte in den Dienst einer zur blossen Religionsgemeinschaft gestempelten Gesamtheit zu stellen. Die Verkündigung des Nationaljudentums, die wie eine Offenbarung zu ihnen drang, hat sie über diesen Konflikt hinweggehoben und in ihnen das brennende Verlangen erzeugt, sich als nützliche Glieder des jüdischen Volkes zu betbätigen. Es wäre für uns recht interessant gewesen, wenn Herr Benediktas Levita diese Möglichkeit einer „Erlösung des Judentums" in den Kreis seiner Betrachtungen gezogen hätte. Der Sport und die Gesellschaft. Von Hermann Jalowicz. Ohne uns auf eine wissenschaftliche Erläuterung des Begriffs Gesellschaft einzulassen, sonst kämen wir wohl schliesslich auf die Fixierung eines Zahlenwertes mit der Bezeichnung Mark oder Thaler und müssten am Ende noch die Steuerliste zu Rate ziehen, wollen wir unter „Gesellschaft" die allgemein übliche Bezeichnung für jene sociale Gruppe verstehen, welche man als die oberen Zehntausend — es handelt sich nicht immer um geistige Qualitäten — begreift. Die Gesellschaft nimmt, wie jedermann weiss, eine bevorzugte Stellung ein, aber nicht nuc nach ihrer eigenen Meinung ist dieser Sonderrang berechtigt, sondern auch nach der Auffassung vieler Anderer, die sich vor der Macht des Kapitals und dem daraus hervorgehenden sicheren Auftreten des glücklichen Besitzers wie vor eiuer göttlichen Erscheinung beugen. Leider vermag der kühle Beobachter nicht allzuviel von der erhabenen