Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 8 (12.1900)
- Date
- 1900-12-01
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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H». 8. 87. schwankendem Grunde stehen. Allerdings hat Herr Dr. Maybanm mit seinem Artikel eine gelungene Apologetik des Judentums geliefert und manche unberechtigten Vorwürfe seines Gegners gegen das Judentum widerlegt, aber eins kann er aus diesem Artikel lernen, nämlich, dass die. offlcielle Wegleugnung der jüdischen Nationalidee eine Ursache dafür ist, dass in vielen der Gedanke an eine völlige Verwischung der jüdischen Abstammung entsteht und, da das nur möglich ist durch Preisgabe der jüdischen Religion, die Taufe für die eigene Person oder die Kinder erstrebt wird. Mit der moralischen Entrüstung allein kommt man nicht Uber diese durchaus begreifliche Erscheinung hinweg. Man muss bedenken, dass heutzutage ein grosser Teil der Gebildeten der Religion indifferent gegenübersteht, und Herr Dr. Maybaum setzt zu viel Idealismus voraus, wenn er verlangt, dass man wegen einer Sache, die man nicht kennt und für die man nichts fühlt, Verfolgung und Hass aller Art auf sich nehmen und nur aus Scheu vor einer Lüge vor einer Beendigung dieses Zustandes zurückschrecken soll. Vom Standpunkt des Herrn Dr. Maybaum könnte man überhaupt keinen Vorwurf gegen diejenigen erheben, die sich nach ihrem Austritt aus der jüdischen Religionsgemeinschaft der Annahme einer anderen Religion enthielten. Wenn trotzdem noch die Zahl der jüdischen Apostaten verhältnismässig gering ist, so liegt das eben an dem noch vorhandenen jüdischen Nationalgefühl, das man von massgebender Stelle zu ersticken bemüht ist. Hat aber die Religion jetzt nicht mehr die Macht, jenen Opfermut in uns zu erzeugen, wie ihn der Jude heute gegenüber dem auf unseren Stamm lastenden Ungemach nötig hat, so hüte man sich, auch noch das Band der Stammeszügehörigkeit durch Beseitigung des jüdischen Nationalgedankens zu zerreissen, der allein noch in Wirklichkeit ganze Kreise der westeuropäischen Judenheit im Bannkreis des Judentums hält. Vernichtet man dieses Stammesgefühl, so treibt man jene Elemente zur Taufe und trifft den ohnedies nicht mehr kräftigen Baum des Judentums im innersten Mark. Wie ganz andere Motive kann das Nationaljudeutum einer Lossagung von unserer Gemeinschaft entgegenstellen! So wenig sich vom rein religiösen Standpumkt gegen ein blosses Aufgeben der jüdischen Religion sagen lässt, so verächtlich und niedrig erscheint dieser Akt, betrachtet im Lichte der jüdisch-nationalen Anschauung. Fühlen wir uns als eine Volksgemeinschaft, so haben wir das Recht, jeden, der sein Volk in Zeiten der Not und Bedrängnis im Stiche lässt, als einen Verräter an der jüdischen Gesamtheit und als einen feigen Ueberläufer zu bezeichnen, da der Religionswechsel ja doch nur die Maske für eine Fahnenflucht aus dem jüdischen Stamm ist. Die Pflege