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Jüdische Turnzeitung · 1900-12-01 · 8 (12.1900) · p. Seite 84

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
1 (1900)
Issue
8 (12.1900)
Date
1900-12-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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Tb 8. 8<k. Nationalitäten einen gewissen Gegensatz repräsentierten, auch die sogenannten religiösen Bräuche des Judentums dem deutschen Volke als fremdartig erscheinen und eine Verschmelzung verhindern müssten. Daraus schliesst er nun, dass der Gegensatz der Rasse, der Kultur, der Weltanschauung überwunden ist und es nur noch die Religion ist, die uns vom deutschen Volk trennt. Es liegt auf der Hand, dass sich der Verfasser in einem circulus vitiosus bewegt und mit einem Fehlschluss endigt, wenn er den beiden Religionen innerhalb Deutschlands eine nationale Ausschliesslichkeit zuschreibt und, weil es blosse Religionen sind, von einer bereits vollzogenen Beseitigung nationaler Gegensätze reden will. Wahrscheinlich schwebt ihm der Gedanke vor, dass mit einer zukünftigen Beseitigung der jüdischen Religion als des wichtigsten Bestandteils der jüdischen Nationalität die Schranke zwischen uns und dem deutschen Volke fallen wird. Wenn nun Herr Benediktus Levita die Frage auf wirft: „Kann dieses Trennende beseitigt werden?" so will er damit nicht überhaupt die Möglichkeit einer praktischen Durchführung der Verschmelzungsidee erwägen, was sehr wohl am Platze gewesen wäre, sondern die Frage des Religionswechels vom moralischen Standpunkt aus betrachtet wissen. Und nun folgt eine von Sachkenntnis durchaus ungetrübte doktrinäre Auseinandersetzung über das Wesen des Judentums und unser Verhältnis zu demselben. Wir würden auch ohne die Versicherung des Verfassers, dass ihm die nötigen Kenntnisse zum Verständnis der Bräuche unserer Vorväter fehlen, dieses Faktum aus seinen Darlegungen ersehen. Das Dogma des Judentums, nämlich die Lehre vom einzigen Gott, erkennt er freudig an; die religiösen Erinnerungen des Judentums hingegen sind für ihn wegen ihrer nationalen Färbung nicht annehmbar; z. B. hätte es heute keinen Sinn mehr, den Auszug der Israeliten aus Aegypten zu feiern. Herr Benediktus Levita, der zu ehrlich ist, um objektive jüdische Rassemerkmale zu leugnen, mag sich selbst subjektiv derartig dem Deutschtum assimiliert fühlen, dass er den inneren Zusammenbang mit der jüdischen Gemeinschaft verloren hat; das dürfte aber für ihn kein Grund sein, die deutsche Judenheit mit seiner Anschauung zu ideutificieren. Was ihm widerwärtig und unzeitgemäss erscheint, ist für andere eine Quelle der Erbebung und der edelsten Gefühle, und gerade das nationale Moment, das ihm das Judentum unannehmbar macht, ist das Band, das auch die nicht mehr religiös gesinnten Elemente an das jüdische Volk gefesselt hält. Da der Verfasser dem Nationalismus an sich, nicht feindlich gegenübersteht, so sollte sich ihm doch bei Beobachtung dieses Punktes die Frage auf-

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