Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 7 (11.1900)
- Date
- 1900-11-01
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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xto. 7. 75. Deshalb tritt in ernster Eindringlichkeit an die jüdischen jungen Leute beiderlei Geschlechts die Pflicht heran, den Wandel zum Besseren anzubahnen. Ihr jüdische junge Männer und Mädchen allzumal, Ihr könnt Euch recken und dehnen, Ihr könnt Euch austummeln, wie es seit Jahrhunderten keinem Eurer Vorfahren gestattet war. Drum, meine Brüder, stählt Eure jugendlichen Glieder in physischer Arbeit, im Garten und Feld, am Sägebock, und wo sonst es gilt, die Muskeln zu stählen, im Turnsaal, auf dem Fechtboden wie in der Schwimmschule. Werdet flink und gelenkig, muskelstark und mutvoll, wie Eure Vorfahren waren. Leset die jüdische Geschichte, die Kämpfe, in denen ein Jephta, ein Saul, ein David, ein Simson geglänzt, leset die Kämpfe der Hasmonäer, der Makkabäer, bis zu einem Bar Kochba, die in nichts den Heldenkämpfen aller Nationen nachstehen, Ihr werdet darin einen Sporn finden, dieser ragenden Gestalten würdig zu werden. Und Ihr, Ihr Töchter Israels, deren Schönheit seit Sara durch alle Zeiten gestrahlt und jetzt noch unbestritten anerkannt und besungen wird, in Eurer Ahnenreihe gab es eine Miriam, eine Deborah, eine Judith, eine Ruth und eine Esther, deren Namen nimmer erlöschen werden. Beteiligt Euch an allem, was Eurem Körper Kraft, Behendigkeit und Anmut verleiht. Werdet ein starkes und gesundes Geschlecht, und auch Ihr habt alsdann ein gut Teil beigetragen zur Lösung jener Frage, die man heute Judenfrage nennt.__ Die frage der körperlichen Hebung der osteuropäischen Juden. Auszug aus dem Referat des Professors Dr. Mandelstamm (Kiew). (Sehluss.) Der Hauptgrund aber der Widerstandsfähigkeit der Juden war bis jetzt der, dass sie keine Trinker, keine Alkoholiker und von gewissen, durch ein ausschweifendes Leben bedingten ansteckenden Krankheiten nicht durchseucht waren; zwei Uebel, die unter der nichtjüdischen Bevölkerung tausende und tausende hinraffen und eine degenerierte Nachkommenschaft erzeugen. Gibt es ja bei uns ganze Bauerndörfer, die von diesen liebeln durchseucht sind. Allerdings muss ich zu meinem grössten Leidwesen constatieren, dass nach dieser Richtung hin die Widerstandsfähigkeit der Juden in in letzter Zeit abnimmt, seitdem nämlich die besser situierten Juden, die mit der nicht-jüdischen Bevölkerung in Berührung treten, sich assimilieren, mit der äusseren Hülle des orthodoxen Judenthums zugleich den ethischen Kern desselben über Bord werfen und sich Excessen jeglicher Art hingeben.