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Jüdische Turnzeitung · 1900-11-01 · 7 (11.1900) · p. Seite 74

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
1 (1900)
Issue
7 (11.1900)
Date
1900-11-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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Ho. 7. dafür einstehen, dass sie, wie auch immer, aber niemals zu unseren Ungunsten gelöst wird. Unsere Jugend hat bei der Lösung dieses grossen Problems eine äusserst wichtige Rolle zu spielen, sie hat einen eigenen grossen Anteil daran zu nehmen, und mit diesem Teilbetrag erfüllt sie ihre Pflicht hinlänglich. Denn heute tritt, mehr als jemals, die ernste Mahnung an unsere Jugend heran: Werdet Männer! In der Weise, wie das künftige Judentum sich äusserlich und innerlich seinen christlichen Freunden und Feinden darstellen wird, wird es seine Freunde mehren und seinen Feinden eine Hauptwaffe abnehmen, die Carrikatur nämlich, die vornehmlich in Deutschland den Juden schon mehr geschadet hat, als die feindseligsten Artikel und Broschüren. Unsere Jugend muss durch sorgfältige Körperpflege wieder, um mit Nordau zu reden, ein Muskeljudentum schaffen. Freilich sollen und werden unsere Kämpfe nicht mit der Faust ausgefochten werden, es müssen vornehmere Waffen sein, die wir führen wollen. Aber ebendarum müssen wir des alten Spruches: orandum est, ut sit mens sana in corpore sano eingedenk bleiben und dürfen nicht mehr, wie seither, den Geist auf Kosten des Körpers pflegen. Wir müssen wieder physisch erstarken, wir müssen dies sogar in erster Linie, damit wir nicht der Gefahr der Degeneration anheimfallen. Wir müssen wieder physisch erstarken, damit wir wieder Selbstbewusstsein gewinnen, das auch der vollen Abwehrkraft sich bewusst ist, die physisch und sittlich starken Menschen eigen ist. Die besten Kämpen sind die, welche physisch und geistig gleich stark sind. Geistig gewappnet waren ja unsere Vorfahren, oft weit besser noch, wie wir, und sie haben mit ihres Geistes Waffen unsere Art erhalten bis zu diesem Tag. Es darf aber nicht geleugnet werden, dass eine Eace, die Jahrtausende lang Hirnarbeit produzierte, die Jahrhunderte lang nur den Geist pflegen konnte und von barbarischen Feinden an jeder körperlichen Uebung gehindert ward, schliesslich eine Nachkommenschaft erzeugen muss, die physisch verkümmert, womit zugleich auch der geistige Tod eingeleitet wird. Und wenn es auch glücklicherweise nicht wahr ist, — was ich, falls meine Zeit es erlaubt, in einer grösseren Arbeit nachzuweisen versuchen werde, — dass wir degeneriert sind, es zeigen sich leider Degenerierungssymptome, Anzeichen, die eine Degeneration einleiten. Auf moralischem Gebiet: Die feige Fahnenflucht aus eigenem Lager, das Sichhinüberschmuggeln ins Christentum, auf geistigem Gebiet: die erschreckende Zunahme der Nervosität und des Irrsinns, auf leiblichem: der bedeutende Prozentsatz, den wir zur Tuberkulose und zum Diabetes stellen.

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