Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 5 (9.1900)
- Date
- 1900-09-01
- Page
- Seite 58 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5. 58. eröffnet«. Es hatte sich im Verein eine gewiß« Mißstimmung gegen die beiden Vorsitzenden geltend gemacht, doch gaben sich die Mitglieder mit einer Erklärung des Herrn vr. Katz zufrieden, während Herrn Or. Zloristi von der Majorität ein Tadelsvotum ausgesprochen wurde, worauf er sein Amt nrederlegte. Nach unendlich langen Geschäftsordnungsdebatten konnte Herr Jalowicz den Vorsitz übernehmen, erst nach g'/.-stündigem Hin- und Herreden trat man endlich in die Tagesordnung ein. Die Vorschläge der Herren SB. Lewy und Dr. Löwe-Wunderlich bezügl. der Stellung der Frauenabteilung fanden Ablehnung, dagegen wurden die Anträge Zirker—Jalowicz—Blum mit weitmehr als a/a Majorität angenommen, deren einzelne Bestimmungen das Protokollbuch enthält. Schließlich wurde auf Vorschlag des Herrn M. Friedländer durch Abstimmung ausdrücklich anerkannt, daß alle gefaßten Beschliiffe Giltigkeit haben sollten. Um '/»3 Uhr nachts schloß Herr Jalowicz die Versanimlung! Vorstandssttznug vom 25. Juli 1900. Besprechung einer Zuschrift, ferner Kooptation eines zweiten Vorsitzenden. Einstimmig Herr M. Friedländer gewählt Herma«« Jalowicz. Schriftführer. Ausflug der Frauenabteilung am 12. Slugust. Trotz des regnerischen Wetters fanden sich 9 Damen und der Turnwart anl Stettiner Bahnhof« ein. Schon während der Fahrt nach Tegel klärte sich der Himmel auf, und nach kurzer Wanderung lachte uns die Sonne mit ihrem freundlichsten Gesichte entgegen, als fteue sie sich, den zu Hause gebliebenen ein Schnippchen geschlagen zu haben. Schnell durchquerten wir den Tegeler Schloßpark bis zur Grabstätte Humbolds. Auf dein Wege hierhin genoffen wir von einer Anhöhe einen herrlichen Blick auf Tegel. Silbern spiegelte sich die Sonne im Tegeler See. Aus dunklem Grün leuchtete Tegel mit seinen gewaltigen Fabrikanlagen hervor. Weiter ging es über Forsthaus Tegelsee ohne Rast — trotz der zahlreichen Warnungstafeln „Schonung" nach Jörsfelde an der Havel. Nachdem wir hier den Kellner, der gerade auf einem Spaziergange im Walde begriffen war, entdeckt hatten, Normten wir uns zur weiteren Wanderung stärken. Eine Abteilung junger Gänschen, richtiger Gänschen, wandte uns ihr besonderes Jntereffe zu — doch nicht etwa aus Kollegialität? Ein schöner Waldweg führte uns nach Conradshöhe. Der bisher eben« Boden wurde nun auf dem Wege nach Schulzendorf wellig. Von einigen erhöhten Punkten aus gewann man prächtige Ausblicke auf schnurgerade angelegte Schonungen, dunkelragende Waldungen mit Hellern Lichtern zwischen den Bäumen, alles übergossen vom warmen Sonnenschein, der anch feinen Weg in das Herz des Wanderers findet und ihn die Schönheit der freien Natur so recht empfinden läßt. Frohe Turnerspiele brachten uns den Appetit zum Mittagessen, das wir im Walde einnahmen. Der beerenreiche Boden bot uns zur Erquickung Erdbeeren, Blaubeeren und Brombeeren in reicher Fülle. Nach dem Essen gaben wir uns kurze Zeit einer wohlthuenden Siesta hin. Der weiche Waldteppich, der blaue Himmel, die feierliche Stille der Natur mit dem leisen Rauschen der Waldwipsel waren doch zu einladend zum Ruhen und Träumen. In Schulzendorf wurde der Kaffee eingenommen. Bald zog es uns wieder zum Walde Ueber Forsthaus Tegelgrund vorbei ging es nach mannigfachen Spielen im Walde nach Tegel zurück. Die Wanderlust war durch den bisherigen Marsch so erregt worden, daß wir zu Fuß den Weg am Tegeler Forst entlang nach Berlin einfchlugen. Me Dämmerung hatte sich indessen herabgesenkt. Unter heiteren Gesprächen gelangten wir allmählich in das brausende Berlin mit seinem grellen Lichterglanz und trennten uns mit einem fröhlichen „Auf Wiedersehen im Turnsaal". (Zurückgelegte Strecke: «a 26 km.) R. B.