Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 5 (9.1900)
- Date
- 1900-09-01
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5. 59- Der Dnrnanbflng am 18. Angnft. Bon Wannsee aus gingen wir 14 Mann stark zunächst in geschlossenem Zuge auf der herrlichen Waldchaussee nach Potsdam. Rur hin und wieder zeigte sich durch einen lieblichen Ausblick zwischen den alten Bäumen die breite, die Sonne in goldenen Reflexen zuriickstrahlende Havel. Kein Wunder, daß in einer solchen Umgebung bald alle Turner eine fröhliche Stimmung erfaßte, die, durch keine« Mißton gestört, den ganzen Tag vorherrschte. In Potsdam angelangt, marschierten wir nach kurzer Rast in einein schattigen Garten durch die Stadt nach Sanssouci. Die herrlichen Anlagen mit ihren Statuen und Hermen, der wunderbare Ausblick nahm unser« ganze« Sinn 'gefangen. Längere Zeit weilten wir auch vor der bekannten historischen Mühle, deren Besitzer dem größteir Preußenkünige im stolzen Vertrauen auf sein Recht seinen Willen entgegensetzte. Und doch erschöpfte sich sein Recht nur in dem Eigentum an einer Mühle. Dachten wir daran, daß wir berufen sind, der ganzen Welt gegenüber unseres Volkes Rechte rvahrzunchme», im stolzen Vertrauen aus unsere mit Blut geschriebene Geschichte, die uns das Recht auf eine freie glückliche Zukunft verbürgt? — Und weiter ging es, nochmals durch Potsdam, nach dem Forst von Klein-Glienicke. Dort wurde längere Station gemacht, wir lagerten uns unter dem Schatten der alten Bäume, einige versuchten zu schlafen, aber liebe Freunde sorgten dasür, daß die betreffenden auch nicht einige Sekunden ruhig liegen blieben. Da wir nun einmal alle munter waren, sangen wir, im Kreise liegend, fröhliche Lieder. Plötzlich setzte unser Turnwart ein: „Dort, wo die Ceder" und in starken Tönen erklang aus aller Munde dieses herrliche Lied. Dann marschierten wir nach Wannsee, wo 3 Nachzügler eintrafen. In einem Lokale erholten wir uns bei Kaffee und Kuchen von der sehr starken Hitze. Um so munterer brachen wir dann auf, um an einem an der Chaussee gelegenen, so recht geeigneten Platze mit frischer Kraft fröhliche» Turnspielen obzuliegen. Bei Barlauf, Freiübungen und Bockspringen, verging die Zeit rasch. Rach 7 Uhr trennten sich die Teilnehmer. Die Mehrzahl fuhr von Wannsee nach Hause. 6 Tunier aber, unter ihnen selbstverständlich der Turnwart, legteir geschloffen in strammem Schritte unter Scherzen und Gesang den 9 Km. weiten Weg nach Bahnhof Grunewald in 76 Minuten zurück. Ohne Ermüdung trafen sie dort ein, trotzdem sie eine längere Strecke sogar im Laufschritt absolviert hatten. Im dicht gefüllten Abteil fuhren sie nach Berlin zurück, kiihne Pläne über die Entwickelung des jüdisch-nationalen Turnwesens ausspiunend. Mögen diese ebenso gelingen wie unsere schöne Turnfahrt! W. Spiele in Reinickendorf fanden statt am 12. Atigust, Beteiligung: 18 Herren und am 26., Beteiligung: 28 Herren, 8 Dainen. Tnrnfahrtcn im September. Familienausflug am 9. September. Abfahrt vom Bahnhof Börse nach Grunewald. Marsch über Hundckehle nach Wannsee. R. Bin«, Tmmwart.