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Jüdische Turnzeitung · 1900-09-01 · 5 (9.1900) · p. Seite 56

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
1 (1900)
Issue
5 (9.1900)
Date
1900-09-01
Page
Seite 56 (sequence 8)
Language
German
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Hö. 5. 56. würge. Wenn das Kind Krämpfe bekommt und unaufhörlich schreit, so wird es aufgegeben und stirbt in einigen Tagen; dadurch kommen viele ums Leben. In Wirklichkeit hat der böse Num-Negir keine Schuld, sondern sie werden Opfer eines Aberglaubens; denn gleich nach der Geburt traktieren die Hebammen und die weiblichen Hexenmeister, die in hohem Ansehn stehlt, das Kind grausam, geben ihm Kräntersäfte ein und treiben gräulichen Hokuspokus mit ihm. Bleibt es trotzdem am Leben, so wird es ihrer Kunst zugeschrieben. — Ein angenehmerer Herr ist Jleh-Novi, eine Verbindung des Propheten Elias mit dem Gott des Reichturas. Er erscheint nur in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag, meist als ärmlicher Wanderer, der um gastliche Aufnahme bittet. Darum befiehlt der Hausherr seiner Frau, nach Schluss des Sabbat das „Chinkal"', das Hauptgericht der Bergjuden, zu kochen, trotzdem die Bereitung bis nach Mitternacht dauert. Weigert sie sich, so ist es ein gottgefälliges Werk, sie dafür zu schlagen. Wer Jleh- Novi aufnimmt und bewirtet, wird reichlich belohnt, wer ihn abweist, der verarmt. Auch erscheint er oft auf Hochzeiten als Bettler; deshalb wird das ganze Dorf eingeladen und den Armen zwischen den Reichen der Platz angewiesen. Diesen beiden Gottheiten reihen sich noch viele andere an. Der Aberglaube, der sich an sie knüpft, durchzieht das ganze Leben der Bergjuden; bei allen Ereignissen, freudigen und traurigen, von der Geburt bis zum Tode haben sie ihre Hand im Spiele, bald Segen verheissend, bald Unglück bringend. Mit ihrem Kult stehen zahlreiche Feste in Verbindung, die teils rein heidnischen Ursprungs, teils nur veränderte jüdische Feiertage sind, wie die Hauptfeste Homunu (Purim) und Nisonu (Pesach). Sie werden durch Schmausereien und Zechgelage, Umzüge, Musik und Tanz, namentlich von der Jugend mit grossem Jubel gefeiert, ebenso wie alle besonderen Farailienbegebenheiten, Hochzeiten u. s. w., die sich oft Tage lang hinziehen. Zauberei steht, in hohem Ansehen und wird namentlich bei Krankheiten von den einheimischen Hexenmeistern und herumreisenden persischen Quacksalbern nebst wertlosen Medikamenten zu Schaden der Patienten angewandt; während die Hülfe eines kundigen Arztes stets verschmäht wird, aus Furcht, dass er „treifene" Heilmittel verschreibe. Ueber die Unsterblichkeit und das Leben nach dem Tode herrschen bei den Bergjuden seltsame Vorstellungen. Ein Engel mit feurigem Schwerte sprengt da» Grab des Toten und führt die Seele zum Himmel, wo sie zum Gericht vor den Thron Gottes gestellt wird. Die guten und bösen Werke des Verstorbenen werden aus einem Buche verlesen und es stellen sich ihnen

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