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Jüdische Turnzeitung · 1900-09-01 · 5 (9.1900) · p. Seite 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
1 (1900)
Issue
5 (9.1900)
Date
1900-09-01
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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Ho. 5. 55. das Vieh, reinigt den Stall, bereitet aas Häcksel und Mist das Brennmaterial, hackt das Holz, kocht, backt das Brot, streicht das Lehmdach, weisst die Wände — kurz, sie ruht keinen Augenblick. Trotz alldem findet sie noch Zeit, am kunstvolle Handarbeiten geschickt anzufertigen. Die Frauen sind sehr schmutzig und an gewöhnlichen Tagen ärmlich, ja oft zerlumpt gekleidet, dagegen schmücken sie sich gern bei Festen und besonderen Gelegenheiten. Ihre Eitelkeit ist Uberhaupt nicht gering und treibt sie zu merkwürdigen Geschmacksverirrungen; so bemalen sich viele das Gesicht mit allerhand Linien und Figuren, andere färben ihre Haare und Augenbrauen rot. Ihr Leben verläuft in häuslicher Zurückgezogenheit; wenn sie verheiratet sind, dürfen sie sich nicht anverhüllt auf der Strasse zeigen, und auch als Mädchen kommen sie nur selten mit den jungen Männern zusammen. Eine ganz allgemeine Eigenschaft der Frauen ist ihre Klatsch- und Zanksucht. Über die geringste Kleinigkeit können sie in einen lärmenden Streit geraten, der nicht selten zu einer Prügelei ausartet; namentlich leben die Frauen eines Mannes — bei den Bergjuden kommt Polygamie vor — in stetem Unfrieden. Eigenartig sind die religiösen Vorstellungen der Bergjuden. Sie beruhen zwar im Wesentlichen auf Bibel und Talmud, sind aber schon früh durch heidnische Einflüsse modifiziert, die sich z. T. aus der persischen Religion herleiten lassen. Nach ihrer Anschauung existieren neben Gott noch andere göttliche Wesen, die in der Natur und dem Leben der Menschen grosse Macht haben. Einige von ihnen sind unsichtbar gedacht, andere erscheinen in Gestalt von Tieren; ihr Bei nehmen den Menschen gegenüber richtet sich bei manchen nach dem Thun jener, bei anderen ist es stets gleichmässig, entweder gut oder böse. Um jede dieser Gottheiten hat sich eine Fülle abergläubischer Vorstellungen gebildet, deren Darstellung zu weit führen würde, zumal da sie nur wenig jüdische Elemente enthalten; zur Charakterisierung sollen jedoch zwei dieser Wesen kurz geschildert werden. Num-Negir, der „Unaussprechliche", ist der Gott der Fruchtbarkeit und der Beschützer der Beisenden. Wer seinen Nächsten liebt und sich gegen Fremde freundlich benimmt, dem schenkt er seine Gunst und erscheint ihm in Gestalt eines weissen Marders; der ihm auf dem Wege blitzschnell vorbeihuscht. Als unglückverheissendes Zeichen gilt es dagegen, wenn dieses Tier dem Menschen zwischen den Füssen hindurchläuft. Alles Unglück im Hause wird ihm zugeschrieben: namentlich auf die Neugeborenen hat er einen grossen Einfluss, und ihre Krankheiten werden so erklärt, dass der Gott die Kinder für die Sünden der Eltern

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