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Jüdische Turnzeitung · 1900-09-01 · 5 (9.1900) · p. Seite 54

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
1 (1900)
Issue
5 (9.1900)
Date
1900-09-01
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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Tib. 5. 3*. keinen Augenblick ruht das Gespräch. Dann wird zu Ehren des Besuches ein reiches Mahl aufgetragen. Die Bergjuden sind im Gegensatz zu ihren Stammesgenossen ziemlich unmässig im Essen und Trinken, sie können jedoch auch andererseits, z. B. auf Reisen, mit sehr Wenigem .auskommen. An gewöhnlichen Tagen ist die Nahrung einfach, bei Armen sogar dürftig, anders aber an Festtagen und bei Anwesenheit von Gästen. Im Allgemeinen essen die weiblichen Mitglieder mit den Männern zusammen; sind aber Fremde da, werden sie ins Frauengemach verbannt. Beim Mahle sitzt man auf dem mit Teppichen bedeckten Fussboden mit untergeschlagenen Beinen rings um die Speisen, die alle zugleich aufgetragen werden. Da die Bergjuden nicht gerade Freunde der Reinlichkeit sind, so starren alle Geschirre vor Schmutz und lassen erkennen, dass sie oft Wochen lang nicht gewaschen werden. Trotzdem sich bei Wohlhabenderen Löffel und Gabel aus Holz finden, werden doch in der Regel nur die Finger benätzt. Ist ein besonders angesehener Gast zugegen, dann dauert das aus zahlreichen Gerichten bestehende Mahl sehr lange, und die Pausen werden durch Musik und Tanz der jungen Mädchen ausgefüllt. Getrunken wird Wein und Branntwein; nach dem Essen setzt sich das Zechgelage noch lange fort. Die Bergjuden trinken sehr viel, aber selten bis zur Betrunkenheit. Ein Trinkspruch folgt dem andern; nachdem man auf die Gesundheit sämtlicher Familienglieder des Gastes einzeln das Glas geleert hat, versteigt man sich zu anderen Wünschen: „Dass Deine Pistole nie versage!" „Dass auf Deinem Felde der Mais stets gedeihe!" „Möge das Pferd Deines Feindes straucheln!" Und so geht es fort — ad inflnitum. Nur ein Trinkspruch, der bei uns unerlässlich ist, ist den Bergjuden unbekannt, der auf die Frauen. Und das hat seinen Grund; denn wie bei allen Orientalen wird das Weib mit einer gewissen Geringachtung angesehen. Schon vom ersten Augenblick des Daseins an zeigt sich der Unterschied in der Schätzung beider Geschlechter; denn während bei der Geburt eines Knaben allgemeine Freude herrscht und die Wöchnerin gepflegt wird und in aller Achtung steigt, kümmert sich bei der eines Mädchens kein Mensch um die Mutter uid das neugeborne Kind, das ihr so schon vom ersten Tage an Kummer bereitet. Und doch verdienen die Frauen nicht diese Behandlung; denn sie sind meist gutherzig, dienstfertig und arbeitsam. Die ganze Last des Hauswesens ruht auf ihnen, und zwar ebenso sehr bei den Wohlhabenden, wie bei den Armen, denn niemals würde sich ein Mann zu häuslichen Arbeiten herablassen. Die Frau schleppt Wasser herbei, trägt den Mist aus dem Hause, melkt die Büffel, füttert

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