Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 5 (9.1900)
- Date
- 1900-09-01
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Xlo. 5. 53. Alsdann der russische Socialökonora Subbotin: .... pMan lebt in Scheunen, wo der Regen durch die Löcher des Daches sickert, in Kellerräumen, wohin nie Sonnenlicht dringt. Solcher Kellerräume giebt's recht viele in Wilna, und Subbotin erzählt Folgendes: „Als wir uns zum erstenmale einer solchen Behausung, näherten, da ahnten wir von letzterer nichts: wir sahen vor uns ein grosses Loch, halb mit verfaulten Brettern bedeckt, rings herum lagen Gemüseabfälle, Lumpen, Fischgräten etc. Anfangs glaubten wir, das sei eine Senkgrube, es ergab sich aber, dass dies der Eingang zur Behausung intelligenter Geschöpfe sei. Auf eine andere Weise konnte man aber in diese Behausung nicht gelangen. Wir mussten in gebückter Stellung rutschend hinuntersteigen, wobei unsere Kleider ganz schmutzig wurden. Nachdem wir 18 Stufen hinuntergestiegen, wurden wir eine Höhle gewahr von 4 Metern Länge, 2^4 Metern Breite, nur spärlich durch eine schornsteinähnliche Oeffnung, die bis zum Hofpflaster reichte, beleuchtet. Neben diesem Souterrain befand sich eine andere Höhle von 12 Metern im Quadrat, wo drei Holzbetten standen, mit unaussprechlichen Fetzen bedeckt. (Fortsetzung folgt.) Die Bergjuden im Kaukasus. Von Max Hecker. (Fortsetzung.) Der jüngere Bruder erhebt sich, wenn der ältere eintritt, schweigt, wenn jener redet, und spricht nur aufgefordert. Ihre schönste Tugend ist die Gastfreundschaft, die als heilige Pflicht angesehen wird. Mit grösster Herzlichkeit nimmt der Hauswirt jeden Fremden auf, erweist ihm alle erdenklichen Dienste und Ehrungen, beherbergt ihn, so lange jener will, ohne das geringste Entgelt anzunehmen; im Gegenteil, einem bedürftigen Gast giebt er noch Geld mit auf den Weg; er steht für sein Leben ein, und selbst wenn es sein Todfeind ist. Besonders geehrt wird ein Chacham, ein Gelehrter aus Palästina oder Russlaud; alle streiten sich um die Ehre, ihn aufzunehmen, bis erst das Los entscheidet. Der Bergjude selbst hat in anderen Dörfern meist einen Kimak, einen „Gastfreund", bei dem er auf Reisen einkehrt. Hat ein Fremder bei seinem Wirt Aufnahme gefunden, so versammeln sich bald die angesehensten Männer des Dorfes in dessen Hanse, um den Gast auszufragen und von den Lokalereignissen zu unterhalten; das halten sie für eine besondere Anstandspflicht, um zu verhüten, dass sich jener langweile. Da sie geschwätzig und neugierig sind, so hat der Fremde einen schweren Stand, denn