Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 4 (8.1900)
- Date
- 1900-08-01
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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rio. Bekleidung. Vielleicht sieht das nächste Jahrtausend Turner im Frack, Cylinder und weissen Handschuhen! Doch kehren wir von unserem Gedankenausflug in Vergangenheit und Zukunft zur Gegenwart zurück. Es ist empfehlenswert, unter dem Turntricot ein Netzhemd zu tragen, das den Schweiss aufsaugt und an das Turnhemd abgiebt. Von hier verdunstet er, ohne einen solchen Reiz auszuüben, als wenn das Tricot dem Körper eng anliegt. Nach beendigtem Turnen empfiehlt sich Waschung und Kleidungswechsel. Im allgemeinen muss die Turnkleidung leicht und bequem sein: nicht zu prall ansitzende Tricothosen, leichte Lederschuhe mit niedrigen Absatzen und ein Gurt, der nicht zu elastisch ist und dadurch einen zu starken Druck auf den Leib ausübt. Was die Frauenturnkleidnng betrifft, — ich spreche hier nur in hygienischem Sinne — so soll zuerst von ihrem Schraerzenskinde, dem Korsett, gesprochen werden. Da es bei den körperlichen Übungen der Frauen ganz besonders darauf ankommt, die von Jugend auf vernachlässigten Atmungsorgane und das Herz zu kräftigen, so darf weder Brust noch Leib zu eng umkleidet sein, da dies die Atmung und Blutcirculatiou erschwert. Das Korsett, das nicht nur eine „schöne Figur" giebt, sondern auch den Körper stützt und wärmt, kann aus den beiden letzten Gründen nicht ohne weiteres entbehrt werden. Aber gerade durch das Turnen sollte man die Rückenmuskulatur üben, so dass sie wieder das Amt übernimmt, dessen sie durch das Korsett entwöhnt wurden. Erst wenn das Korsett abgelegt ist, kann die Brust sich bei tiefer Atmung weiten und kräftigen. Dem Blute wird durch die vertiefte Atmung mehr Sauerstoff zugeführt, es kreist schneller und kräftiger im Körper, und der Stoffwechsel wird gehoben. Doch trotz aller Mahnungen und Warnungen — man panzert sich weiter und bringt der „Schönheit" die Gesundheit zum Opfer. Es erweckt den Eindruck, als ob das Gebot der Feindesliebe von Seiten der Frauenwelt gerade dem Korsett gegenüber beobachtet wird. So wie der mittelalterliche Eisenpanzer der Männer geschwunden ist, so sollte die Vernunft dem Fischbeinpanzer den Garaus machen. Der Rock, der leicht und fussfrei sein soll, um freie Bewegungen zu gestatten, muss von der Schulter getragen werden, da das Befestigen an der Hüfte ebenso schädlich wirkt, wie das Korsett. Der Oberkörper soll mit einem leichten Stoff bequem bekleidet sein, so dass weder Wärmeabgabe noch Ausdünstung verhindert werden. Es sei ein Beispiel angeführt, wie gesundheitswidrige Kleidung schaden kann. Wenn bei einer Anstrengung die Eingeweide, die durch zu enge Kleidung nach oben hin auszuweichen verhindert sind, nach