Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 4 (8.1900)
- Date
- 1900-08-01
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Ho. 1(. W. in dem auf hygienischer Grundlage auf- und ausgebauten Turnen zum Ausdruck gelangt, von Erfolg gekrönt sein, so bedarf sie natürlich, um ihrem Ziele möglichst nahe zu kommen, gewisser Bedingungen, unter denen ihr Wert erst in vollem Masse empfunden werden kann. Turnraum. Da die Turnübungen der schwankenden Witterung wegen einen Turnsaal erforden, so ist auf dessen zweckmässige Anlage zu achten. Er muss der Luft durch genügende Ventilation freien Einlass und Abzug gewähren; voll muss das Licht in den Saal hineinströmen können. Besonders wichtig wird die Ventilation bei offener Gasbeleuchtung, da das ausströmende, verbrennende Gas in den kleinen Hallen auf den Organismus schädigend einwirkt, indem das im Leuchtgas enthaltene Kohlenoxyd durch die Luugen in das Blut übergeht und dadurch Vergiftungen herbeiführen kann. So weit es die Witterung erlaubt, sind die Turnübungen auf den Turnhof zu verlegen und von Zeit zu Zeit Spiele im Freien vorzunehmen. Jahn konnte sich ein Gedeihen des Turnens ohne Turnspiel nicht denken, und mit Eecht hat die deutsche Turnerschaft im Jahre 1896 das Turnen durch die Aufnahme volkstümlicher Übungen erweitert. Die Wichtigkeit, die diesen Übungen beigemessen wird, gehj schon daraus .hervor, dass eine vollkommen gelungene Gerätübung mit 5, eine volkstümliche Übung mit 10 Punkten gewertet wird. „Es giebt schwerlich ein Mittel, welches wie das Spiel imstande ist, die geistige Ermüdung zu beleben, Leib und Seele zu erfrischen und zu neuer Arbeit fähig und freudig zu machen. Es bewahrt vor unnatürlicher Frühreife und blasiertem Wesen, und wo die beklagenswerten Erscheinungen bereits Platz gegriffen, arbeitet es mit Erfolg an der Besserung eines ungesund gewordenen Jugendlebens."**) Turnkleidung. Im alten Griechenland, dem klassischen Mutterlande der Gymnastik,***) wurden die Leibesübungen unbekleidet vorgenommen. In den Säulenhallen, die das Gymnasion umgaben, schauten Dichter und Gelehrte, Künstler und Eedner den Vorführungen zu. Damals boten die Leibesübungen noch einen ungeteilten ästhetischen Genuss. Die gespannte Muskulatur eines schlank gewachsenen Körpers konnte und musste zu Werken begeistern, wie sie ein Praxiteles und Skopas ans dem Marmor hervorzauberten. Damals wurde die Kunst somit von Staatswegen gefördert und keine lex Heinze wollte einem Sittlichkeitsbegriffe beibringen. Und Griechenland stand damals geistig in seiner höchsten Blüte! Doch mit zunehmender Kultur mehrt sich auch die **) Spielerlass des Kultusministers von Gossler vom 27. Oktober 188!?. ***) Gymnastik vom griechischen gymnos nackt.