Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 4 (8.1900)
- Date
- 1900-08-01
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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tt<\ *. 38. gewesen, wozu ihn namentlich die tendenziöse christliche Literatur verzerrt hat, ein messianischer Schwindler, so hatte er jetzt allmählich versuchen müssen, seinen luftigen Ideen Gestalt zu geben. Beredter als alle schriftlichen Zeugnisse — auch in der hebräischen Literatur schwankt er zwischen Wundermann, Schwindler und Schwärmer — sprechen seine wenigen uns bekannten Thaten. Er mnss eine bezwingende, allen weit überlegene Persönlichkeit gewesen sein, sonst hätte er das siegestrunkene Volk nicht nach dem ersten glücklichen Vorstoss noch zusammenhalten können, wenn auch dabei der Umstand stark mitgesprochen haben wird, dass die gläubige Hasse in ihm den Messias sah. Aber Thatsachen wie die Kräftigung der Organisation, die ausgezeichnete Landesbefestigung, die Verbindung mit der See, die Sorge für die Finanzen u. a. m. tragen den Stempel einer durchaus gesunden, umsichtigen Politik, die auf Erden wirtschaftet und nicht auf den Wolken ihren Herrscherthron errichtet. Sind das die Thaten eines Phantasten oder Schwindlers? Möglich ist eins, dass er nämlich die falschen Ideen, die über ihn im Volke spukten und die ihm bekannt sein mussten, nicht zu widerlegen suchte, sondern im Gegenteil durch abgeschlossenes Wesen und geheimes Thun absichtlich verstärkte, weil er darin die Quelle seiner Macht sah. Den Kern seines Wesens und Thuns berührte diese Schwäche aber nicht, und es ist eine Ungerechtigkeit, ihn ein messianistisches Schwindlertum anzudichten. Kaiser Hadrian erkannte die Heftigkeit der jüdischen Krieger; aber obwohl Trupp auf Trupp gegen die Bebellen ausgesandt wurde — es standen schliesslich beinahe vier Legionen im Felde, zu denen noch die syrische Flotte kommt — war doch nichts auszurichten. Die judäischen Felsen waren zu fest. Zu grösseren Schlachten kam es nicht. Aber in Scharmützeln müssen die Börner ungeheure Verluste erlitten haben. — So hielt sich die Insurrektion in den judäischen und idumäischen Bergen zwei Jahre lang mit Erfolg, und seine Wirkungen zeigten sich in gleicher Weise in den erregten Nachbarländern wie überall, wo Juden wohnten. Eine ungeheure Explosion drohte auszubrechen. Noch war dieselbe in ihrem Herde zu ersticken, und Hadrian entschloss sich, den besten Feldherrn seiner Zeit, Julias Severus, seine Feldherrnkunst gegen Provinzrebellen erproben zu lassen. Severus sah mit einem Blicke, dass hier taktische Erfolge und glänzende Siegeslorbeeren nicht zu holen waren, dass vielmehr Kriegslage und Operationsbasis die nnabweisliche strategische Forderung stellten, durch Einzelcernierung und schrittweise Eroberung die Insurgenten aus ihren Felsen herauszudrängen. Mit einem gross angelegten, einheitlichen