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Jüdische Turnzeitung · 1900-08-01 · 4 (8.1900) · p. Seite 37

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
1 (1900)
Issue
4 (8.1900)
Date
1900-08-01
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
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tlo. tf. 37. Meister der Schrift plante nichts Geringeres, als eine Erhebung aller Juden, der palästinensischen sowohl wie der in der Diaspora. Seine Reisen führten ihn zwecks Propaganda und Organisation bis nach Gallien. Die einheitliche That kam aber nicht zustande. Die Diasporajuden schlugen schon unter Trajan los, während man in Judäa erst fünfzehn Jahre nach deren Niederwerfung so weit war, dass Rom sich' zum letzten Male vor die schwere Aufgabe gestellt sehen musste, seine Truppen gegen Judäa marschieren zu lassen. Zum letzten Male hatte sich das jüdische Volk auf seinem heimatlichen Boden erhoben; die Schimmer der Abendsonne umspielten ein Volk, in seinem Falle noch so stark, so stolz, so achtunggebietend, als blickte es mit freiem Auge der Sonne entgegen, als könnte es seine Fittiche lösen zum Fluge durch eine Ewigkeit. Aus den von Leidenschaft durchwühlten Bauernbanden war ein selbstbewnsstes, begeistertes Volk geworden, und an seiner Spitze stand Simon Bar Kochba, der Sternensohn; der Bringer himmlischer Hilfe. Was Wunder, dass das Volk in ihm den ersehnten Messias sah, da ja durch die lebhafte Sehnsucht nach ihm alle Volksschichten so fieberhaft erregt waren, dass selbst der grosse Akiba den Bar Kochba als den erwarteten Erlöser begrüsste. Wir haben aber kein Recht, anzunehmen, dass dieser selbst diese Rolle spielen wollte. Was uns — von der Tradition ist abzusehen — seine Thaten erzählen, widerstreitet dem. An eine Offensive konnte natürlich nicht gedacht werden. Bedeutung, konnten die Truppen Bar Kochbas Roms Heeresmassen gegenüber nur haben in Verbindung mit dem Lande. Und wenn es je einem Bergvolke gelungen ist, mit dem Boden zu verwurzeln und die heimatlichen Berge selbst in den Kampf zu führen gegen den Unterdrücker, so gelang es den Juden dieser Zeit. Nach uralt semitischer Weise wurden in den höhlenreichen Kalkgebirgen weite Gänge und unterirdische Gallerten ebenso zu Waffen- und Vorratssaramlungen wie als eventuelle Fluchtwege angelegt. Denn nicht ein Krieg grosser Schlachten, sondern ein Kampf um jeden Schritt Bodens stand bevor. Jeder Hügel war darum befestigt, jeder Felsvorsprung in eine Burg umgewandelt —- das ganze Land ein Kriegslager. Roms Besatzungstrüppen unter dem Kommando des Tireius Rufus standen noch im Lande, als dieses bereits von Waffen starrte. Mit leichter Mühe wurden sie trotz der Unterstützung durch den syrischen Statthalter Publicius Marcellus hinausgedrängt (132). Die kurzsichtige Volksmasse jubelte; ein reines Wunder» wie schnell diese Römer liefen, und Juda war frei. Für das Volk wäre damit der Krieg zu Ende gewesen; und wäre Bar Kochba das

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