Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 3 (7.1900)
- Date
- 1900-07-01
- Page
- Seite 25 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4921092-5965003-5965136--0034-4921122- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Baku 1× ep/1000527
OCR text
No. 3. 23. Menge Völkermischungen und Sprachenverschiebungen und -Vertauschungen stattgefunden, haben, die da» bunte Bild noch mehr venvirren und dem Historiker, Ethnologen und Sprachforscher zahlreiche Rätsel darbieten. In diesem Chaos dürfen die Juden natürlich nicht fehlen. E» ist eine bekannte Thatsache, daß der jüdische Typus fast im ganzen Kaukasus verbreitet ist und namentlich bei den höheren Ständen auftritt, wie z. B. unter den berühmten Adelsgeschlechtern der Georgier. Außerdem finden stch jüdische Sitten und Namen bei Osteten, Tschetschenzen und Lesghieren. Die Zachuren werden von ihren Nachbarn geradezu für Juden gehalten, andere Stämme behaupten wieder, von jüdischen Vorfahren abzustammen oder leiten die Geschlechter ihrer Fürsten von biblischem Ursprung her. Diese merkwürdigen Erscheinungen drängen zu der Annahme, daß schon Jahrhunderte vor Ehr. Juden im Kaukasus gewohnt und eine bedeutende Rolle gespielt haben; später müssen sie in ihrer Umgebung aufgegangen oder, wie manche Forscher annehmen, nach Norden weitergezogen sein. E» gehört nicht hierher diese unsicheren Spuren zn verfolgen; ich beschränke mich ans diejenigen, die al» Juden leben nnd zweifellos jüdischer Abstammung find. Ihre Gesamtzahl beträgt 80— 40000. Wir finden unter ihnen zuerst russische Juden in mehreren Städten des Landes, die erst in neuerer Zeit nach der Eroberung des Kaukasus durch die Russen eingewandert sind; dann stoßen wir in Tranükaukasien auf die grusinischen Juden, die schon seit langer Zeit dort wohnen und sich durch manche Eigenart in Aussehen, Charakter und Lebensweise auszeichnen; unser ganz besondere» Interesse wird aber durch die Bergjuden erweckt. Leider ist es in diesem engen Rahmen nicht möglich, mehr al» ein oberflächliches Bild von diesem merkwürdigen Volk zu geben; es soll aber wenigsten» im Gegensatz zu anderen Darstellungen versucht werden, an» der Zahl der unsicheren, oft widersprechenden und phantasieoollen Nachrichten diejenigen auS'usondern, die vor einer ernsten Kritik Stand halten können. Die Zahl der Bergluden beläuft sich auf 20—25000. Cie leben hauptsächlich in Daghestan, einem der rauhesten Teile de» Gebirge», das dem östlichen Ende desselben vorgelagert ist, und in den angrenzenden Gebieten, die den Gouvernements Baku, Elisawetpol und dem Terek-Landstrich angehören. Sie wohnen in den Städten Derbent, Temirchanschura, besonders zahlreich in Kubä, außerdem in ca. 40 Dörfern, teils gesondert von ihren mohamedanischen Nachbarn, teils mit ihnen zusammen. Ueber ihre Herkunft fehlt jede schriftliche Urkunde; nach ihrer mündlichen Neberliefernng stanimen fie von den Israeliten des Zehnstänunereichs ab, die von assyrischen Königen in Medien ^angesiedelt wurden. Sie rühmen sich deshalb gern an dem Tode Christi keinen Anteil zu haben, weil sie damals nicht mehr im