Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 3 (7.1900)
- Date
- 1900-07-01
- Page
- Seite 24 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4921092-5965003-5965136--0033-4921121- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No' 3, 2*. natürlicher und künstlicher Hindernisse lernen wir unsere Kräfte und unseren Mat richtig abschützen, in ungewöhnlichen Lagen kommt unsere Geistesgegenwart zum Vorschein. Die eigene Anschauung von Land und Leuten lehrt uns Vorurteile abstreifen, die uns aus ungenügender Kenntnis anhafteten, Vorzüge und Mängel autzufinden, die uns vordem verborgen waren. Seumes Wort besteht zu Hecht, „dass alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge . . . . Fahren zeigt Ohnmacht, Gehen Kraft“. Wie Vevgjudeu im Naukafus. Don M. Hecker. Wer mit offenem Blick und unbefangenem Urteil den gegenwärtigen Zustand der jüdischen Volke» betrachtet, der wird al» eine» seiner traurigsten Merkmale die physische Degeneration erkennen. Ihre Ursachen sind mannigfacher Art; die wesentlichste ist aber zweifellos der Mangel an körperlicher Thätigkeit, der seit Jahrhunderten wie ein Fluch auf den Schultern der gesamten Judenheit lastet. Wohl giebt e» auch unter un» Tausende, die ihre Existenz und ihre Kraft nur der Arbeit ihrer Hände verdanken, wie die Hafenarbeiter Saloniki», die durch ihre herkulische Gestalt die Bewunderung der Fremden errege», die Handwerker und Fabrikarbeiter Westrußland», die Bauern in unseren Kolonien —, wohl macht sich gerade in unserer Zeit dank de» Wiedererwachens des nationalen Bewußtseins ein lebhafter Drang geltend, den Körper durch Leibesübungen zu kräftigen und zu stählen, — aber alle diese sporadisch austretenden Fälle tragen vorläufig noch den Stempel des Auffallenden und beweisen gerade dadurch daß weitaus der größte Teil der Juden unleugbar der Degeneration anheimgefallen ist. In dieser betrübenden Erkenntnis muß es nun ein erfreulicher, trostreicher Anblick sein, eine kleine, aber geschloffene Partikel unsere» Volke» zu finden, die sich durch ihre historische Entwicklung, durch den Einstuß der Natur und vor allem durch ihre Beschäftigung und Lebensweise im Gegensatz zu den anderen Juden ihre ursprüngliche Kraft und Frische bewahrt hat. Da» sind die Bergjuden im Kaukasus. Der Kaukasus, diese Scheide zweier Erdteile, ein Gebirge voll erhabener Majestät und wilder Schönheit, birgt eine derartige Mannigfaltigkeit von Völkern in sich, wie sie sich auf einem relativ so kleinen Gebiete wohl »irgend» wieder findet; zählt man doch bei einer Bevölkerungszahl von &Vs Millionen an fünfzig verschiedene Idiome. Dazu kommt noch, daß im Laufe der Jahrhunderte eine