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Jüdische Turnzeitung · 1900-07-01 · 3 (7.1900) · p. Seite 23

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
1 (1900)
Issue
3 (7.1900)
Date
1900-07-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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Zto. 3. 23. rufen, begünstigen wird: ein frisches Lied lässt augenblickliche Beschwerden vergessen und unwillkürlich folgen die ermüdeten Füsse seinem munteren Takt". Mit dieser Wirkung auf unser körperliches Befinden und auf unsere Stimmung verbindet sich noch eine nicht zu unterschätzende Erweiterung unseres geistigen Horizontes. „Was ich nicht erlernt habe, habe ich erwandert", sagt Goethe. Gar manches, was wir in muffiger Studierstube erst nach tiefem Nachdenken finden, das -fliesst uns in Gottes freier Natur ganz von selbst zu. Die toten Formeln der Wissenschaft gewinnen Gestalt, beleben sich, prägen sich in ihrer Lebendigkeit unserem Geiste schneller ein. Beim Anblick historischer Stätten erscheint uns die Geschichte nicht mehr als eine mit allerlei Merkwürdigkeiten vollgepfropfte Rumpelkammer. Die Geographie, vorher ein totes Wissen, wird uns interessant, unsere Ortskenntnis wächst und zugleich werden uns die mit ihr in naher Verbindung stehenden Gebiete der Statistik, insbes. dieder Bevölkerungsdichtigkeit und der Bodenkultur vertrauter. Und nun erst die Belebung und Bereicherung unseres naturwissenschaftlichen Wissens, der Botanik, der Zoologie, der Geologie und der Astronomie. Die Anregung, die unser Geist so empfängt, macht keineswegs den Hauptzweck einer Turnfahrt aus; sie ist ein recht erwünschter Nebenzweck; sie dient nur zur Belebung des Gespräches, sie wird ein nachhaltiges Interesse an diesen Gegenständen hervorrufen, dessen Befriedigung aber an anderer Stelle erfolgen muss. Daher sind langatmige wissenschaftliche Erörterungen auf der Turnfabrt zu vermeiden; auch schon aus dem Grunde, weil die Teilnehmer einer solchen Fahrt eine zu verschiedene Bildung und Auffassungsfähigkeit haben. Anders freilich bei Personen, welche, auf ziemlich gleicher Bildungsstufe stehend, wohl imstande wären, einer Discussion zu folgen, die sich auf einem ihnen sonst fremden Gebiete bewegt. Dagegen ist eine allgemein-verständliche Unterhaltung Uber die uns auffallenden Erscheinungen durchaus wünschenswert; an ihr wird ein jeder sich beteiligen können. Geist, Gemüt und Körper werden durch Turafahrten gebildet. Aber auch der Charakter. Mit der Kräftigung des Körpers steht eine Stärkung des Willens in innigstem Zusammenhang. Die Schwächeren fühlen sich angespornt, ihrer Müdigkeit nicht nachzugeben, sondern auszuhalten. Und das Bewusstsein, die Beschwerden des Weges durch eigene Kraft besiegt zu haben, erweckt starkes Selbstgefühl. Genügsamkeit und Einfachheit ist die Würze einer rechten Turnfahrt; Nahrung und Kleidung, auf die manche zu Haus zu grosses Gewicht gelegt, werden in ihrem wahren Wert, als Mittel zum Zweck, erkannt. In der Ueberwindung

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