Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 3 (7.1900)
- Date
- 1900-07-01
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Xlo. 5. 22. ausgeführt, ihre Wirkung zugleich aut die übrigen menschlichen Organe aus, so dass die Wanderfahrten, zumalwenn manangeeigneterStelleein volkstümliches Turnen veranstaltet, dem Turnen an Wert gleichstehen. Andererseits aber haben Turnfahrten so mannigfache Vorteile vor dem Turnen voraus, dass man sogar lebhaft bedauern kann, sö viele Turnstunden, so wenige Turnfahrten zu haben. Wo anders als auf Turn fahrten kann •man sich eher in frischer, gesunder Luft körperlich bethätigen? Wo anders als hier wird der Zweck des Turnens, den Stoffwechsel und die Blutzirkulation zu befördern eher erreicht werden? Durch die schwachgewordenen Muskeln, die vorher nur geringe Blutmengen durchkreisten, zirkuliert jetzt, wo sie arbeiten, ein verstärkter Blutstrom mit grosser Schnelligkeit. Er schwemmt die verbrauchten Stoffwechselproducte fort, an ihre Stelle treten neue lebenskräftige Zellen; das nutzlose Fett macht Muskelzellen Platz: aus dem schlaffen, weichen Fleisch wird stahlfestes. Das Herz erhält durch die erhöhte Arbeit Zuwachs an Krait und Masse. Die Lungen atmen die gesunde Luft viel tiefer ein und weiten den Brustkorb. Auch die Sinnesorgane gesunden. Das Ruhebedürfnis des überanstrengten Gehirns findet hier seine Befriedigung. Das Verlangen nach Nahrung steigert sich. Der reine und kräftigende Genuss der Fussreise (die man freilich nicht bis zur Erschöpfung ausdehnen darf), wird noch ausserordentlich erhöht durch die Kräftigung des Gemeinsinnes, durch die veredelnde Wirkung auf das Gemüt und die erhöhte Empfänglichkeit für Naturschönheiten. G. Baur*) schreibt hierüber: „Vor allem kommt nur der Fussreisende der Natur und ihren Schönheiten recht nahe; nur er kann sich ihr völlig hingeben (auch der Radfahrer?! Anm. des Verf.). Aber auch dem Menschen kommt er näher. Er kann sie eifrig beobachten in ihrer Arbeit, in ihrer Not, in ihrem Genuss, und zu dem eingehenden Gespräche mit den Begegnenden, welches das Geschehene erläutert und deutet, findet nur er Gelegenheit. Und wie die glückliche, heitere Jugend für die bittende Armut Hand und Herz offen haben wird, so schliessen auch ihre Herzen gegeneinander in innigerer Freundschaft sich auf, und es bietet sich reichlicher Anlass in wechselseitiger Aushilfe und in der Unterstützung der Schwächeren, diese Gefühle zu bewähren. Das freudig bewegte Gemüt aber findet seinen Ausdruck im Gesänge, welchen der Erzieher nicht blos als Symptom einer wünschenswerten glücklichen Stimmung begrüssen, sondern auch als Mittel diese Stimmung hervorzu- *) In der Encyklopädie des gesamten Erziehungs- und Unterrichtswesens, herausgegeben von K. A. Schmid.