Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 1 (5.1900)
- Date
- 1900-05-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4> geißelt und die Ausbildung de» bisher arg vernachlässigten Körper» durch turnerische Bethätigung energisch verlangt, vom schlaff-überlegenden wollen schritt man zur kraftvoll, entschiedenen Thal. Damit war die Gründung jüdischer Turnvereine angeregt worden, die Ausführung sollte nicht lange auf sich warten lassen, Herr atud. phil Wilhelm Lewy berief auf den 22. «Oktober;sgs eine konstituierende Versammlung, um einen jüdischen Turnverein in» Leben zu rufen. Bei der Feststellung der Vereinstendenz entbrannte ein heftiger Kampf zwischen den Vertretern des Zionismus und seinen Gegnern. Schließlich drang der vermittelnde Antrag des. Herrn Dr. med. J. Kats „Der verein bezweckt die pflege de» Turnens «nd der national-jüdischen Gesinnung unter seinen Mit. gliedern* siegreich durch. Unter national.jüdischer Gesinnung verstehen wir die Auffassung, dass die Juden eine auf gemeinsamer Abstammung und Geschichte, keineswegs nur auf religiöser Ueberzeugung beruhende Gemeinschaft darstellen, welch« mit charakteüstischer geistiger sowie seelischer Eigenart begabt, «in starkes Bewußtsein der Zusammengehörigkeit bis auf den heutigen Tag bewahrt hat. Die Stärkung dieses nationalen Bewußtseins betrachten wir neben der pflege des Turnens a<s unser« vornehmste Aufgabe. Der provisorisch gewählte Vorstand, der mit der Aufstellung der Statuten betraut war, mußte zurücktreten, well der Vorsitzende nochmals den versuch machte, den Verein seiner Tendenz zu berauben Der nunmehr gewählte Vorstand mit den Herren vr. J- Kat» als ersten, atnd. phil. J. Anerbach als stellvertretenden Vorsitzenden, sind. zur. 8ermain Jalowios, als ersten, M. Kirschberg als stellvertretenden Schriftführer, atud. zur. It. Zirher als ersten, cand. med. DL Hirsch als stellvertretenden Turnwart, Bankbeamten H Tonn als Raffenführer trat sofort in regste Thätigkeit. Nachdem die Turnhalle der jüdischen Anabenschul« seitens der jüdischen Gemeinde ohne Angabe von Gründen verweigert worden war, bemühte sich der Vorstand mit Erfolg um die in der Gipsstr. belegene städtische Turnhalle, wir wollen nicht versäumen, an dieser Stelle nochmal» dem städtischen Turnwart Herrn H SehrOer und dem Dberturnwart der Berliner Lurnerschast Herrn G. Kossag für ihre Herrn Arber hierbei gewährte Unterstützung öffentlich unfern Dank auszudrücken. Nachdem das Gesuch der „Vereinigung jüdischer Studierender" zu Berlin um Be. telligung au unseren Turnabenden acceptiert worden war, fand am s. Dezember unsere erste Turnstunde statt. Herr Dr. Kate wies in einer kurzen, mit Begeisterung aufge. nommenen Rede auf die Feierlichkeit de» Moment» hin. Hierauf wurde mit hingebendem Eifer, ja mit Begeisterung geturnt, und jeder bemühte sich, den andern an Disciplin zu übertreffen. Den Schluß bildete eine prächtige Kneipe. Leider war bei vielen der Eher und die Begeisterung rasch erkaltet, nachdem der Reiz der Neuheit verschwunden war; und al» e» hieß, dauernd und regelmäßig mitzuarbetten, entstanden manche Lücken. Doch die von unfern Gegnern prophezeite baldige Auf. l-sung de» Verein» erfolgte nicht, vielmehr bildete sich nach Abstoßung der untauglichen Elemente ein kleiner, bald immer stärker werdender Stamm von solchen, di« von echt turnerischem Leiste beseelt, mit größter Energie an dem inneren Ausbau unseres Vereins fortarbeiteten. Mit ihrer Hilfe vor allem ist die Errichtung einer, wenn auch schwachen „Alte Herren-Rtege" zustandegekommen, sie haben, un» zahlreiche, unfern Bestrebungen anfangs abgeneigte, junge Männer gewonnen. Da wir selbst noch zu schwach waren, «ine vorturnerausdildungsstunde einzuführen, veranlaßten wir Herrn stad med- K. Blum, sich an der von der Berliner Lurnerfchaft eingeführten, zn beteiligen; er erhieft