Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 1 (1900)
- Issue
- 1 (5.1900)
- Date
- 1900-05-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5. das Diplom, das seine Befähigung als Turnleiter dokumentiert. Unsere Vorturner selbst hielten wöchentlich einmal halbstündige Uebungen ab. — Eine dreitägige pfingstturnfahrt (s. u.) brachte die einzelnen Mitglieder einander näher und führte uns, da ihre wohlgelungene Durchführung in weiten Kreisen bekannt wurde, eine große Zahl neuer Mitglieder zn. So konnten wir es denn wagen, auch in den Studentenferien (August—Gktober) den Turnbetrieb aufrecht zu erhalten; freilich war der Besuch gering. Nach vieler Mähe war es uns endlich gelungen, die Turnhalle der jüdischen Knabenschule für einen Abend zu erhalten, und obwohl die damit verbundene Zweiteilung des Turnbetriebes manche Nachteile mit sich brachte, acceptierten wir doch die Konzeffion, in der Erwartung, daß uns auch bald der zweite Abend bewilligt werden würde, was jedoch nicht geschah. Im Vorstande hatten inzwischen mannigfache Veränderungen stattgefunden, so daß im Winter-Semester;«99 die Aemter folgendermaßen verteilt waren: stuck weck. Perlitt erster, stuck, med. A. Nackt stellvertretender Schriftführer, cand. weck. B. Hirsch, erster, stnd. med. R. Blum stellvertretender Turnwart, Brust Herrwav» Kaffenführer. Der Verein beschloß, nachdem er durch Zuwachs, besonders aus den ihm zuerst nicht freundlich gesinnten kaufmännischen Kreisen sehr erstarkt war, im Winter-Semester (899/1900 mehr als bisher in die Deffentlichkeit zu treten. Er veranstaltete einen von ca. 120 Personen besuchten Kommers anläßlich seines ersten Stiftungsfestes, zu dem ihm von vielen Berliner Universttätsprofefsoren, ferner aus Bonn, Freiburg, würzborg, München, Köln, Wien, Leipzig rc. zahlreiche herzliche Glückwunsch-Depeschen und -Schreiben gesandt wurden. Zu Lhanukkah fand eine interne Feier statt, bei der Vorträge über die Bedeutung des Festes für unsere Zeit gehalten worden. Das am 2\. Januar 1900 in der Turnhalle des Friedrich-Werderschen Gymnasium» veranstaltete Schauturnen, zu dem sich wohl über 200 Zuschauer einfanden, bildete den größten Erfolg des Vereins seit seinem Bestehen. Die Vorführung bestand in einem kunstvollen Aufmarsch, in Stabübungen, Gerätturnen und Spielen; das straffe und schneidige Turnen entfejfelte häufig geradezu frenetischen Beifall des Publikums. Dem Turnwart sowie seinem Stellvertreter sei bei dieser Gelegenheit nochmals unser Dank für ihre aufopfernde Mähe dargebracht. Lin am selben Abend inscenierter Ball verlief außerordentlich gemütlich und gefiel allgemein; rzo Personen waren zugegen. Nit gerechter Befriedigung dürfen wir auf «in erfolgreiches Jahr, da» erste unsere» Bestehens, zurückblicken. Die Erfolge stnd uns wahrlich nicht leicht zugefallen, sondern mußten mit heißem Bemühen, durch ernste Arbeit errungen werden. Unglaublicbe Schwierigkeiten und Hindernisse wurden dem jungen Turnverein von alles» Seiten in den Weg gelegt, um ihm die ExistenzmSglichkeit zu nehmen. Es war vergeblich I Unbeirrt durch Nißgunst und Anfeindungen verfolgen wir unfern Weg, streben wir dem als gut erkannten Ziele zu. Unser Verein, der bei seiner Gründung ^8 Nitglieder aufwies, zählt jetzt l2f. An dem ehernen Felsen unserer Begeisterung und Ärbeisfreudigkeit sind die gegnerischen Bestrebungen machtlos abgeprallt. NSg« uns diese begeisterte Zuverficht erhallen bleiben, dann werden wir in dem selbstgesteckten Rahmen eine erfolgreiche Thätigkeil — «s ist Aulturarbeit im Uleinen — entfalten, wir werden ein kleines Scherflein beitragen zur Gesundung des jüdischen Volkes.