Mannheim
Compact Memory

Korrespondenzblatt des Centralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden · 1905-08-15 · 6 (15.8.1905) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Korrespondenzblatt des Centralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der Deutschen Juden
Volume
1905
Issue
6 (15.8.1905)
Date
1905-08-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/4920222-6349394-6349401--041-4921082
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

bevor der Winter kommt, an das Land zu gewöhnen. Niemand sollte in der Regel nach dem Herbst oder vor dem Frühjahr abreisen, es sei denn, daß er Freunde autsucht, die ihm ein Heim bereit halten, oder ihm Arbeit verschaffen, oder aber, wenn er genügend Geld hat, den Winter durchzukommen. Weibliche Dienstboten können zu jeder Zeit Arbeit finden. 3. Australien. Jede Zeit im Jahr ist für die Ankunft günstig. Vom Mai bis September vorzugsweise in Neu- Süd-Wales und Victoria, vom Dezember bis Mai in Tasmania, September bis einschließlich Februar in Neu-Seeland, April bis Juli Queensland, Mai bis Oktober in Süd- Australien und März in West-Australien, wenn die Tätigkeit in den Goldfeldern mit dem eintretenden Regen aufgenommen wird. Allgemein gesprochen wird der Emigrant gut tun, sich vor Beginn der heißen Jahreszeit niederzulassen und bevor das Mähen und die Ernte beginnt. Die Zeit vom Dezember bis Februar ist die Sommerzeit; die Jahreszeiten sind denen bei uns fast entgegengesetzt. 4. Süd-Afrika. Jede Zeit im Jahr ist für die Ankunft günstig, am geeignetsten ist der August, in den die Mitte des Winters fällt. Dezember bis Februar sind die Sommermonate, die Jahreszeiten sind also auch in Süd- Afrika denen bei uns entgegengesetzt. Auszug aus dem argentinischen Einwanderungsgesetz. Vergünstigungen für Einwanderer nach Argentinien. 1. Nach dem Gesetz wird jeder ausländische Tagelöhner, Handwerker, Gewerbetreibende, Ackerbauer und Lehrer, falls er jünger als 60 Jahre ist und seine Rechtschaffenheit und Befähigung einigermaßen nachzuweisen vermag, als Einwanderer angesehen, wenn er im Zwischendeck oder in II. Kajüte mit der Absicht in das Land kommt, sich niederzulassen. 2. Jedem Einwanderer, der in befriedigender Weise seine gute Führung und seine Befähigung für irgend einen nützlichen Erwerbszweig nachzuweisen vermag, steht — von seiner Ankunft im Lande an — das Recht auf folgende Vergünstigungen zu: 3. Er kann beanspruchen, während fünf auf seinen Ausschiffungstag folgenden Tagen auf Staatskosten anständig beherbergt und beköstigt zu werden. 4. In den Städten Buenos - Ayres und Rosario, wie auch in den Städten, wo ein starker Verkehr von Einwanderern es erheischen sollte, finden die Einwanderer Aufnahme in besonderen, zu diesem Zwecke bestimmten Gebäuden. 5. An den Orten, in welchen besondere Einwanderungshäuser nicht bestehen. haben die dortigen Kommissionen für Herberge und Beköstigung der Einwanderer in öffentlichen Gasthäusern oder in sonstigen geeigneten Anstalten Sorge zu tragen. 6. Auf Staatskosten nach dem Punkte des Landes befördert zu werden, an welchem er sich niederlassen will. 7. Gebrauchsgegenstände, Kleider, Hausgeräte, Werkzeuge und Geräte seines Erwerbzweiges, sowie ein Jagdgewehr für jeden erwachsenen Einwanderer (auch Frauen), im von der Regierung zu bestimmenden Gesamtwert, abgabefrei einzuführen. 8. Die Bestimmungen des vorstehendenArtikels werden, soweit es zulässig ist, auf die Frauen und Kinder des Einwanderers ausgedehnt, falls jene gleichfalls ihre gute Führung und Erwerbsfähigkeit nachzuweisen vermögen. 9. Der Einwanderer, welcher es vorziehen sollte, sich in einer der inneren Provinzen der Republik oder in einer ihrer Kolonien niederzulassen, wird sofort mit seiner Familie und seinem Gepäck kostenfrei an den gewählten Bestimmungsort befördert. 10. Begibt sich der Einwanderer nach einer Provinz, so. ist er berechtigt, von der Einwanderungskommission seines Bestimmungsortes für die Zeit von zehn Tagen kostenlos beherbergt und beköstigt zu werden. Anmerkung. Es ist gut, wenn sich die Auswanderer mit Pässen oder irgend welchen Ausweispapieren versehen , aus denen ihre Erwerbsfähigkeit und ihre gute Führung hervorgeht. Die Auswanderung nach Argentinien. (Bericht der Jewish Colonization Association.) Die starke Auswanderung jüdischer Emigranten nach Argentinien hält an; man spricht von 1200—1500 Ankömmlingen im Monat. Jedoch sind die Nachrichten, welche wir darüber von der Direktion in Argentinien erhalten, geeignet, die Besorgnis zu mildern, welche dieses Hinzuströmen von Leuten ohne Mittel nach einem Lande, wo das jüdische Element noch so schwach ist, in uns hervorgerufen hat. Man schreibt uns tatsächlich, daß dank einer sehr einfachen Organisation die Emigranten ohne Schwierigkeiten plaziert werden, daß besonders diejenigen, welche ein Handwerk verstehen, leicht Arbeit finden; ja daß sie sogar von den Meistern sehr begehrt werden, die ihren Fleiß und ihr gutes Betragen rühmend anerkennen. Aus Briefen aus Buenos- Ayres geht hervor, daß die hisherigen Verhältnisse keinen Anlaß zu Bedenken geben. Sehr günstig wirkt der Umstand ein, daß manche Emigranten sich weiter in das Innere des Landes begeben, was den doppelten Vorteil hat, daß einerseits Buenos- Ayres nicht überfüllt wird und daß andererseits sich Centren bilden, die in der Folge zur Aufnahme neuer Emigranten dienen. Übrigens nimmt die Prosperität des Landes täglich zu. Dank der guten Ernte und der erhöhten Preise, welche man in der letzten Zeit für das Getreide erzielte, ferner dank der guten Entwicklung der Viehzucht, wächst der Wohlstand in der Bevölkerung. Die Liebig-Gesellschaft geht daran, eine Fabrik für Konserven und Fleischextrakt ganz in der Nähe unserer Kolonien in Entre Rios zu begründen und die Eisenbahngesellschaften dehnen ihr Netz nach dort aus, wodurch der Wert des Bodens steigt. Selbstverständlich haben unsere Kolonien ihren Anteil an dem allgemeinen Gedeihen des Landes. Anmerkung. Wenn auch mit diesem Bericht der lea im großen und ganzen die Nachrichten übereinstimmen, die unserem Bureau zugehen, so muß doch gesagt werden, daß in der letzten Zeit sich eine starke rückläufige Bewegung bemerkbar macht; viele jüdische Emigranten verlassen Argentinien wieder, weil es ihnen nicht gelungen ist, dort Arbeit zu finden, außerdem sind viele Hunderte von jüdischen Arbeitslosen z. Z. in Buenos-Ayres. Einwanderung nach dem Orient. Ein neuer Exodus. Aus Egypten wird uns unter dem 22. Juli geschrieben: ,,Tausende von Juden, die infolge des Aufstandes in Yemen aus dem Lande flüchten mußten, sind in Suez angekommen. Ihnen folgen andere Leidensgenossen in großer Anzahl, die in Aden auf Einschiffung nach Egypten warten. Alle diese Flüchtlinge befinden sich in einem bemitleidenswerten Zustande." Kleine Mitteilungen. Basel. Viele Auswanderer, namentlich solche, die von Le Hävre (Frankreich) aus über See weiter reisen wollen, kommen hier in Basel an in dem Glauben, bei der hiesigen Agentur die Schiffskarten (Prepaidscheine) vorzufinden, welche ihnen von ihren Verwandten avisiert worden sind. Sehr häufig aber sind die Prepaidscheine von dem Einwanderungsland noch nicht angekommen, und die Auswanderer werden dadurch zu längerem Aufenthalt gezwungen. Für solchen Aufenthalt sind sie aber mit ihren Mitteln nicht eingerichtet und sie geraten daher meistenteils in die größte Not. Es muß infolgedessen dringend davor gewarnt werden, daß Auswanderer nach Basel kommen, bevor sie sich durch Anfrage bei der Agentur darüber Vergewisserthaben, daß ihrersofortigen Beförderung von Basel aus nichts im Wege stehe. Der Vertrauensmann unseres Bureaus Herr Bollag-Feuchtwanger, Basel, ist gern bereit, auch seinerseits allen Anfragenden Auskunft zu geben. Linau. Das Komitee zur Überwachung der Auswanderung aus Rußland in Libau ist eifrig an der Arbeit, seine Organisation zu erweitern und auszubauen. In seiner Fürsorge für die jüdischen Auswanderer wird es durch die in Libau bestehenden Expeditionsfirmen und Schiffahrtsgesellschaften unterstützt. Die Gesellschaften übernehmen in der Regel die Beherbergung aller Emigranten von dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.