Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand UB Ffm
- Issue
- Januar 1939
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 92)
- Language
- German
- Belongs to
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p < '.Eine der SchwieriaMten, Arbeit zu finden, besteht auch in der UnbeweKlichkeit, Orr. nicht Trägheit zu sagen, der Einwanderai; die Mehrsahl verlassen eichauf die bestehenden Organisationen, die ■ach ihrer Ansicht nt, Arbeitsbeschaffung verpflichtet sind. Dean kommt hinzu, daß bisher mit drei Ausnahmen die Einwanderer es als Zumutung auffassen, wenn man ihnen rät, in der Provinz Arbeit zu suchen. Tatsächlich wird aber Oberhaupt nur noch in den Provintatädtsn (zwischen 6000 bis 30000 Einwohnern) irgendeine Arbeitsmöglichkeit gefunden werden können. Für junge zielbewußte Menschen, die mit gutem Mut die Fleischtöpfe Ägyptens vergessen wollen, in die Provinz gehen und bereit sind, dort als Friseure. Laufburschen, Schneider, Bäcker und Mechaniker an arbeit—, sind noch einige Aussichten, sich durchzusetzen, vorhanden." (-Aus einem Brief des EinüHmdererSchuUkomitees in Montevideo vom 25. Mai 1936.) V. Lebenshaltung und L»h«nsJ»tltunisbnstea „Die Kosten des Lebensunterhalts für einen einzelnen jungen Mann stellen sich auf 85—40 Pesos monatlich, solange er keinerlei Anschaffungen in machen braucht, ausschließlich der Ausgaben für spanischen Sprachunterricht Es tat dabei ziemlich gleich, ob man in einer billigen Pension oder in einem Zimmer, das man mit den nötigsten Möbeln bilhg möblieren kann, wohnt Wohnungen gibt es in jeder Preislage, und man kann von der einfachsten Wohnung im Kolonialstil (große hohe Zimmer, die nach dem Innenhof gehen) bis zur modernen 10-Zimmer-Wohnung mit Zentralheizung, fließendem Wasser usw. alles haben. Die Wohnungspreise sind dementsprechend sehr verschieden. Eine altmodische 2-Ziramer-Wohnung kann man schon für 20 Pesos monatlich haben, während eine große moderne Wqhnung 100—ISO Pesos kostet Die Gesamtlebenshaltung rannet man un^nfihs. 4—5mal so hoch als die Mietausgaben. Relativ hoch sind die Ausgaben für Omnibus und Straßenbahn, sowie im Anfang die Ausgaben für Sprachunterricht Wir möchten dabei betonen, daß es geradem unbegreiflich ist, daß Menschen ohne Geld nicht wenigstens die Ueberfahrt tu eifrigen Sprachstudien benutzen. " (Nach einem Bericht des Schutzkomitees in Montevideo, vom 25. Mai 1936. Die Angaben galten 'auch heute noch, wie ans neueren Berichten von Auswanderern hervorgeht.) ::, Die''folgenden Preis« für £* fe* n-sm i 11 e 1 wurden'im Januar 1988 in Montevideo festgeateltfTin Pesos je kgT: Weizenmehl 0,14; Weizenbrot 0,12-0,16; Butter 1,20; Rindfleisch 0,40; Zucker 0,18; Kartoffeln 0,10-0,15; 1 1 Milch 0,12; 12 Eier 0,70. Nach Angaben Von Einwanderern brauchen 2 Personen irrt Monat 30 Pesos aar Ernährung; 1 Zimmer mit voller Pension soll sich auf 46 bis 60. Pesos stellen. Der Stundenlohn für gelernte Arbeiter und Handwerker liegt zwischen 0,25 und 0,50 Pesos. In vielen Fallen nützt man jedoch den „Gringo" (Neuling) aus und zahlt ihm nur den Lohn eines angelernten Arbeiters, das heißt 0,80 1,00 Peso täglich. Kaufmännische Angestellte verdienen 20—50 Pesos monatlich; Buchhalter und Geschäftsführer mittlerer Unternehmungen 120—150 Pesos. Im allgemeinen ist der Achtstundentag durchgeführt, doch wird in mehreren Berufen" auch Akkord gearbeitet. Sonnabend ist nur halber Arbeitstag. Arbeitsverträge gibt es nicht Entlassungen werden häufig vorgenommen, sobald die Arbeit knapp wird. An Sozialversicherung gibt es Unfall- und Altersversicherungen. 5 v. Hdas Lohnes oder Gehaltes werden afe*«teu|r einbehalten. " ' VL Kulturelles Der Bildungsgrad Uruguays gilt als verhältnismäßig hoch. Der Anteil der Analphabeten an der Gesamtbevölkerung soll einer dar niedrigsten aller südamerikanische« Länder sein. Der Schulbesuch ist. kostenlos und obligatorisch. 1936 gab ee 1586 Volksschulen mit 4805 Lehrern, die von 195 000 Schulern besucht wurden. An dar Universität Montevideo, deren Besuch allenfalls kostenlos ist, waren 1936 17 100 Studenten immatrikuliert. Dia' Mehrheit der Einwohner Uruguay« ist katholisch, *sm i . . , doch gibt es keine offizielle Staatsreligion. Es herrscht religiöse tolerant gegenüber anderen Bekenntnissen. Die-Landeesprache ist Spanisch. e£ii ■ ';?v * •------ < VII. Jüdisches Leben Die Zahl dar Inden in Uruguay wird auf 80000 bis 50 000 geschätzt, von denen etwa dt« Hälfte in Montevideo leben soll. „In Montevideo herrscht reges indischen LebenT Die aschkenasischen Vereine haben sich 1932 zusammengeschlossen, die Sefardim sind besonders organisiert, ebenso die nicht geringe Anzahl jüdischer Arbeiter. Neben Talmudthoras bestehen die von der Gasellschaftder argentinischen Religionskurse unterhaltenen sechs Schulen für aschkenasische und eine für sefardische Kinder. In Montevideo erscheinen zwei jiddische Blätter und die spanische Zeitschrift ,Voz Hebrea'." (Aus Mark Wiachnitzer: JXe luden-br der Weif.) Es bestehen: ein Verein deutsch-- sprechender Jaden, der sich im wesentlichen der HilfsarbeJt widmet, und die »Synagogengemeinde 1838", die das religiöse Leben der Erirttanderer pflegt; schließlich ist noch auf den Jüdischen Arbeitsnachweis hintuweisen. . ■". ü\ ■ ■■»*> ■ ," jf -V -\ " ■ ~NJ '": V ■ "*-"■'■? »v V ■ r'i- - ~?/*$ VIII. Briefe «in Uruguay Nachstehend geben wir einige Stellen wieder, die uns in den letzten Monaten ans Uruguay angegangen sind. Montevideo, tt. Juni 1088 „Allgemein ist leider zu sagen, daß voa Tag tu Tag die EinordneagsiiiBglliMiellen hier in Uruguay im allgemeinen immer schwerer werden. loh las des öfteren in Zuschriften an mich und Freunde, daß der Hilfsverein Uruguay immer noch als eine „Möglichkeit" hinstellt. Hieran ist tu sagen: Gewiß ist Uruguay immer noch ein Land, das im Vergleich tu den enormen Schwierigkeiten der Einreiseerlaubnis anderer Lander bis auf weiteres leichter Einwanderer hereinlaßt, bis auf weiteres wohlgemerkt, da morgen, am 19. Juni, die neue RegierU-ag mr Amt antritt und man nicht weiß, welche neuen Bestimmungen man herausgibt; sieht etwa weil man gegen uns eingestallt ist, sondern um dem Problem der bestehenden Arbeitslosigkeit zu Aber das große Problem ist das der Verdienstmögliohkeit Unnötig zu betonen, daß niemand kommen sollte, der die Sprache nicht kann, — etwa wie die meisten in der völlig falschen Annahme, hier lerne man die Sprach« spielend —; ja, aber man denkt dann nicht daran, daß die Zeit Geld kostet, und dach viel Zeit «hw auch viel Geld mit dam Lernen verloren - geht Wer die Sprache einigermaßen kann, hat einen bedeutenden Vorsprang vor allen. Leider, haben wir dl« Angewohnheit, in den großen Städten ans festzusetzen, leider, denn das ist des Problem. Wer aufs Laad gehen will, wer etwa Landarbeit vorsteht oder lernen will, wird Überall, so auch hier weiterkommen. Es sei allerdings sieht verschwiegen, daß das Leben hier auf dem Lande ein Entsagen sondergleichen auf alle Errungenschaften der sogenannten Kultur bedeutet; ein hartes, aber freies . Leben. Landwirte haben~von eilen Seiten, sofern sie solche wirklieh sind und sein wellen, mit Unterstützung zu rechnen. Handwerker, die wirklich was bftaaen, also keine UmnwhlrhtUr, hftaaon in vielen Berufen auch unterkommen; sie werden dann das verdienen, was zu einem bescheidenen Laben erforderlich ist; nicht alle, denn auch manche Berufe, wie Schneider, allgemeine Klempner sind reichlich besetzt. Und für Kaufleute ist es am wenigsten aussichtsreich. Irgendwie unterzukommen. Stellungen gibt es wem viel; Grundbedingung ist Spanisch, mit Englisch allein z. B. kann man nichts anfangen. Geschäfte aufzumachen ist ein, große« Risiko. Man muß 'bedanken, daß es hier alle« bereit« gibt; wa« es etwa nicht: gak will man auch hier nicht haben, denn es gibt Dinge, die man nicht kennt and auch deshalb ablehnt konservativ, wie man hier nun einmal in-Potenz ist Natürlich gibt es hier and da Ausnehmen, auch Glücksfalle, aber das ist nicht die Regel, und Geschäfte oder Beruf«, dl« aar auf Tanigranrea* aufgebaut sind, sind m. E. von vornherein tum Tode verurteilt Wer Geld hat, ausreichend inanerhliy eise etwa 20—50000 arg. Pesos, der kann immer kommen, weil er von den Zinsen, bereit« leben kann und im Laufe der Zeit mit Ruhe nnd Ueberlegung einmal eine sichere und lukrative Sache finden wird. Wer aber nur wenig oder gar nicht« hat/der bedenke, deß hier eine Unzahl von Leuten vorhanden sind, die seit einem Jahr langsam ihr Geld aufessen oder variieren - ohne bisher! eine Existent gefunden zu haben. Entschuldigen Sie. wenn ich so "offen und etwa« pessimistisch schreibe, aber seien SU gewiß, daß ich das nicht aus;,Konkurrenz"grunden ta«, dann die gfbt es Gottlab fax mich nicht soa- V.. il* t**'