Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand UB Ffm
- Issue
- Januar 1939
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 70)
- Language
- German
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Gegen Osten fallen die Anden steiler ab als nach dar Küste. Das im Osten sich anschließende Tiefland ist wenig bewohnte, Urwald-Wildnis. Große Ströme fließen dem Amazonas and seinen Nebenflüssen zu. Feste Siedlungen gibt es in diesem teilweise überhaupt unerforschten Gebiet kaum. ■Um Ecuadors Verkehrsverhältnisse ist > es schlecht bestellt. Die wichtigste Linie ist die Bahn von Guayaquil nach Quito. Eine Anzahl von kleineren Bahnen fahrt in die Nähe industrieller oder landwirtschaftlicher Zentren und verbindet diese mit der Hauptlinie oder Küstenort. Die großen Provinz»tädte im Andengebiet Uesen isoliert, häufig 200—300 km von der nächsten Bahnstation entfernt und sind miy dieser durch Chausseen, häufig eher auch nur durch Maultierpfade verbunden. Eine Anzahl von neuen Linien ist geplant und auch schon im Bau. -* Durch Kanalisierung, Regulierung und Ausbaggertmg der Flusse tot man gegenwärtig bemüht, die Landwirt- Schaftsdistrikte dem Verkehr weiter zu erschließen. 2. Klima und Gesundheitsverhältnisse Das"iOT£nä"'£cuadors ist überaus uneinheitlich, nun großen Teil aber für Europäer ungünstig. Dem Europäer fehlt es vor allem an Widerstandskraft, das feuchtschwüle Klima der tiefer gelegenen Landstriche zu ertragen. . Allgemein wird Ecuador in drei klimatisch verschieden« Zonen eingeteilt:--~-—--~- A. Das Tiefland, daa sich zwischen den Anden und der Küste und Ober dea .Osten des Landes hin. erstreckt. -Die Jahresdurchschnittstemperaturen bewegen sich zwischen 23 und 29° C. Während der Osten nur sehr achwach besiedelt tot, befinden sich im Küstengebiet größere Siedlungen. Guayaquil hat heißes Tropenklima, besitzt aber heute, im Gegensatz zu früheren Zeiten, ziemlich befriedigende Gesundheitsverhältnisse. Im Vergleich zu der dort herrschenden hohen Temperatur tot die Regenmenge gering. Von Mai bis Dezember herrscht absolute Trockenheit. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und -Nacht sind zwar groß, aber die Hitze setzt schon in den frühen Morgenstunden ein. Die Malaria konnte, in Guayaquil seihet ausgerottet werden, doch gilt das ganze übrige Tiefland noch als verseucht. > B. Die gemäßigte Zone, die sich über die Andenabhänge and zentralen, Taler bis zu einer Höhe von etwa - 3000 m erstreckt, hat Jahresdurchschnittstenfperaturen zwischen 11 und 23° C, je nach der Höhenlage. Die Tem- ' peraturen wechseln schnell von kalten Nachtfrösten zu glühender Tageshitze; dagegen sind die jahreszeitlichen - Temperaturunterschiede nicht allzu groß-. Die Regenfälle sind sehr stark: es regnet fast während des ganzen Jahres. Die Feuchtigkeit nimmt nach Osten hin noch zu. Quito hat ein echtes „Aprilwetter"; seine Temperaturen entsprechen allerdings mehr dem mitteleuropäischen Mai. Als Folge des Wettere sind Erkältungskrankheiten sehr häufig, die im Zusammenhang mit Atmüngs- und Herzbeschwerden in den höheren Lagen dem Europäer viel zu schaffen machen. Besonders die schwüle Luft nach den Regenfällen wird als außerordentliches Arbeitshindernis empfunden. M' _i C In der nur wenig .bewohnten kalten Zone, dam Paramo-Gebiet, das ft Höhen über 3000 m gelegen ist, sinken die Durch schnitt« U*n peraturen bis auf 6° C ab. Die W itterungsumschläge sind noch häufiger; Hagel-, Schnee- 'und RegenfUle lösen einander unter schweren StOimeu ab, von kurzen Zeiten heißen Sonneoscheins unterbrochen. Es herrscht hier die sogenannte Paramokrankheit, eine Erkaltungserschemung, die kalten Stürme durchdringen jede Bekleidung und fuhren zu ungewöhnlicher Entziehung von Körperwarme, so daß häufig der Erfrierungstod eintritt. Zusammenfassend tot Ober Ecuadors Gesundheitsverhältnissc zu sagen: das Tiefland ist, von gewissen Landstrichen, insbesondere der größten Stadt des Landes, Guayaquil, abgesehen, fieberverseucht Insekten, insbesondere die Moskitos, bilden «ine Plage und sollen Infektionskrankheiten nach in, solche Gebiete übertragen, die bisher von Krankhaften frei waren und dar Kolonisation er«t unterzogen werden. Deshalb empfiehlt . es sich auch, keinesfalls ohne engmaschige Mc^tcumtze. bzw. Drahtgeflechte an Türen j.und Fenstern zu schlafen. Die Landstriche m mittlerer Höhe (1200—3000 m) sind für Menschen ohne Neigung zu Erkältungskrankheiten und mit absolut gesunder Lunge und kräftigem Herzen erträglich. » Die Niederlassung in den Höhenlagen des Paramogebietes durfte für Europäer gesundheitlich kaum möglich sein. 3. Bevölkerung . Die Bevölkerungszahl Ecuadors wurde am 31. Dezember }986 auf rund 3,4 Millionen berechnet Der Anteil dar rein-weißen Bevölkerung wird auf «etwa? 88 vTHTgeschätzt. Die rein indianische Bevölkerung 'macht in den Gebirgsbezirken etwa 30 v. H., in den Kastengebieten 10 v.H. aas; die Indianermischlinge (Mestizen usw.) im Gebirge 40 v.H., an der Küste nur 18 v.H. Am Küstenstreifen sind die Neger und Mulatten mit « v.H. am stärksten vertreten; im Hochland dagegen machen sie nur 2 v.H. dar Bevölkerung aus. "Dar ekuadorianische I n d i a n e r t y p steht auf niedrigster? Kulturstufe. Es tot bisher wenig getan worden, durch EirzieKung und soziale Gesetzgebung die indianische Schicht kulturell und wirtschaftlich Zu heben, doch findet man Indianer auch in höchsten Staatsstellungen. ■ Die Indianer-Mischlinge setzen sich aus sogenannten Mestizen (Weiße und Indianer)," Cholos (Weiße und Meensen) und Zambos (Schwarze und' Indianer) zusammen; Mulatten sind MtariiHny mU» Nag««» Mlf Wsltal Die Neger können dem Malariaklima viel eher trotzen als die Weißen, fibertragen aber angeblich die Malaria in andere Zonen, sobald sie sich dort niederlassen. Die Anzahl der In Ecuador lebenden Ausländer beträgt etwa 12000. Unter diesen stehen Chinesen an erster Stelle, obwohl ihnen seif 1889 die Einwanderung verboten tot. Es folgen als größte Europäergruppe die Italiener. 'Die - offizielle Umgangssprache ist spanisch. 'Unter den Eingeborenen weiden, auch indianische Sprachen, oder ejn spanisch-indianischer Mischdialekt gesprochen. 4. Regierung und. Innenpolitik Die Republik Ecuador wurde 1830,, nach dem Unabhängigkeitskrieg der spanischen' Kolonien gegen ihr Mutterland, gegründet Die Verfassung Ecuadors wurde verschiedentlich revidiert, zuletzt 1929. Diese neue Fassung ist aber seit Ende Mai 1935 außer Kraft gesetzt; augenblicklich gilt eine liberale Verfassung vom Jahre 1906. Die Legislative übt ein Nationalkongreß, bestehend 'aus Senat und Abgeordnetenhaus, ans; die Exekutive liegt in den Händen des Präsidenten. Ecuador hat in den letzten Jahren eine etwas unruhige innerpolitische—Entwicklung gehabt 1» deren Folge im August 198t eine Nationalversammlung zwecks Schaffung einer neuen Verfassung zusammengerufen wurde. Der damalige Präsident Päez,,. trat 1937 zurück; seitdem regiert als Präsident General' Enrique*. \ III. Die Wirtschaft •* «» . \ i. Wahrung ,; •rs<. Die Währungseinheit Ecuadors tot der Sucre; 1 Sucre — gewöhnlich abgekürzt S oder $ — besteht aus 100 Centavos. Der Sucre notiert rar Zeit etwa 0,18 RM. (Also 1 RM. - 8,85 Sacra«.) Die nominelle offizielle Paritat beträgt S 10,50 - 1 USA.-*, der tatsächliche Kurs beträgt aar Zeit etwa S 1*7*0 Je 1 USA.-*. Eine Devisenbewirtschaftung ist r—hl mala eingeführt und wieder aulgehoben worden; Ober die Einzelheiten der im Juni 1938 wisdsreinyftlhrtew Devisenwirtschaft stehen - Einzelheiten Die Ecuadoriantoche Centrai-Bank tot am 31. Juli 1936 als einziges Bankunternehmen ermächtigt worden, Gold zu kaufen.. ". h mk 64 \ ijä V.'' •' •- , . 2. Landwirt schi Das Schwergewicht dar ecuddorianischen Wirtschaft ruht auf dter Landwirtschaft. Air-«reter Stelle aller