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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 42

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand UB Ffm
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 42 (sequence 48)
Language
German
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f) Kapitalisten , f. :, Die besondere Eignung Brasiliens als £inwanderung&- Und für Unternehmer mit einem, wenn auch nur bescheidenen, Kapital beruht auf drei, faktoren"! '"^r Erstens auf der raschen Industrialisierung des Landes, fflr die alle natürlichen Voraussetzungen gegeben sind, und die auch von der Regierung, wie wir sahen, stark gefordert wird; ■ zweitens auf dem außerordentlichen Tiefstand der brasilianischen Wäbrüng mit der hierdurch gegebenen Möglichkeit, selbst ein durch Sperrtnatjkverkeuf auf einen Bruchteil seines früheren Wertes zusammengeschrumpftes Auswanderervermagen in Brasilien noch zum Aufbau einer selbständigen Existenz zu benutzen; und r J endlieh auf der Billigkeit der allgemeinen Lebenshaltung. Ueber die Betrage, die unter diesen Umstanden zur Gründung einer selbständigen Existenz notig sind, gehen die Ansichten nur wenig auseinander: man nimmt 260 englische Pfund, also etwas über 3000 RM., als unbedingtes Minimum an; doch sollen in der Regel etwa 5000 bis 6000 RM. .vorhanden sein. Es kann hier natürlich nicht im einseinen dargelegt werden, welche Unternehmungen aussichtsreich sind; dies kann vielmehr nur auf Grund sorgfältiger Ermittlungen an Ort und Stelle entschieden werden. Vor vor eiligen-Etablierungen, bevor der Betreffende die Sprache beherrscht und die Verhältnisse kennt, kann gar nicht genug gewarnt werden. Wer nicht eine Zeitlang abwarten kann, zahlt ein vielfaches Lehrgeld. *' r" _'; Ahr verhältnismäßig aussichtsreich, und. auch für wanderer leicht durchführbar, wird in mehreren Briefen die Eröffnung guter Pensionen bezeichnet. . Wenig aussichtsreich sind Unternehmungen der Nahrungsmitt'elbranche, wie Konservenand Wurstfnbriken, Konfitürenherstellun« und Brauereien. Für Fruchtsaftand Likörfabriken sollen in Provinzstädten Aussichten bestehen. Wenig aussichtsreich sind auch Unternehmen der Konfektions- und Schuhbranchc, sowohl in dar Fabrikation wie im Handel. g) L'andwirte Von allen Landern Südamerikas dürfte zur - Zeit Südbrasilien die besten Bedingungen cur landwirtschaftlichen Siedlung bieten. In den vier Staaten Säo Paulo, Pärana, Rio Grande do Sul und Santa Catherine haben schon Hunderttausende, europamttder Siedler eine neue Heimat gefunden, und auch heute noch sind in diesen Staaten, vor allem' in Parana und Rio Grande do Sul, sehr große Möglichkeiten gegeben. Es handelt eich hier um Waldterrassenland e r mit gesundem Klima und äußerst fruchtbarem Boden, sogenannter „roter Erde", die eine Fülle von Erzeugnissen hervorbringt Die Kolonisation in diesen Waldterrassenlandern weist nach Ansicht hervorragender Sachkenner eine Reihe wichtiger Vorzüge vor der Kolonisation auf Steppenböden auf, insbesondere das Fehlen der Heuschreckenplagen und der in der argentinischen Pampa so häufigen Dürres. Auch, verkehrspolitisch liegt besonders das jetzt in der. kolonisatorischen. Erschließung begriffene Gebiet von Nordparana günstig; eine große englische Gesellschaft, die gleichzeitig auch Eigentümerin gewaltiger Landstrecken ist, die sie an Siedler abgibt, betreibt selbst den Bahnbau. („Parana Plontations Ltd.") /j_______ Die M i n d e s t g r ö ß e einer einzelnen Siedlung wird auf 10 Alqueiras, d. h. etwa 100 Morgen, angegeben; dann sei die Rentabilität, harte und sachkundige Arbeit vorausgesetzt, wahrscheinlich. Bezüglich der Wirtschaftsart - ist , eine gemischte Wirtschaft empfehlenswert. In Frage kommen u. a. Kaffee, Baumwolle, Rizinus, Bergreis (Trockenkultur), Getreide (vor allem Mais), und die meisten Gerausearten, in beschranktem Maße "auch Steinobst, Sehr bezahlt macht sich die Schweinezucht Bei einer Große von 100 Morgen fflr jede Familie dürften etwa 9000 bis 4000' RM. — in freien " Devisen zur Ansiedlung erforderlich sein. v\ - ' < Landwirtschaftliche Arbeiter werden keine Schwierig- Keilen haben, in ihrem Beruf unterzukommen, jedoch eignen iL r '•»'K , .. ' ♦ -V'*'.;•' j] '• 4tf ii r'i! I sich nur Wirklich gesunde und kraftige Menschen zu dieser schweren Arbeit in ungewohntem Klima. * Wenn aber auch die natürlichen Voraussetzungen für eine landwirtschaftliche Siedlung von Juden aus Deutschland — es ist .hier nicht so sehr an Einzelsiedlung wie an eise größere Gemeinschaftssiedlung gedacht — ungemein günstig sind, so bestehen doch gewisse Probleme, die gelöst werden müssen, bevor ein größerer Plan auch nur in Angriff genommen werden kann. Vor allem besteht die große Schwierigkeit der Transferierung der cum Aufbau einer solchen Siedlung notwendigen Beträge; es liegt auf der . Hand, daß nur sehr wenige der in Trage kommenden jüdischen Landwirte ans Deutschland imstande waren, durch Sperrmarkverkauf auch' nur die ' bescheidene Summe von 3000 bis 4000 RM. flüssig tu machen. Außerdem aber müßte ein genauer organisatorischer Plan festgelegt und ein'tüchtiger, mit der nötigen Autorität ausgestatteter Leiter für eine solche Siedlung bestimmt werden, da die meisten derartigen Siedlungen (gleich welcher Nationalität) gerade an dem Mangel an Organisation und Leitung gescheitert sind. Die Losung dieser Schwierigkeiten, an der gearbeitet wird, bleibt abzuwarten. i:M^WSSfSSm ':''.-' . ~"—' . /"•■; ■■>-- '4 ■ - VIII. Briefe aus Brasilien Aus der sehr großen Anzahl von ' Briefen, die dem Hilfsverein aus Brasilien — ganz überwiegend aus den Einwanderungszentren Rio de Janeiro und säo Paulo — zu* gegangen sind, geben wir nachstehend eine Auswahl. Wir beginnen mit einer allgemeinen Schilderung der Verhältnisse in Sio Paulo: ______ ---------• " _ " — . p i . ■ .w Jrao l lulu, uearJS;ismj ivoe „Die ersten Eindrücke, die der Ankömmling empfängt, unterscheiden sich kaum von denen eine« südeuropäischen Landes, es sei denn, daß sowohl Rio wie auch Säo Paolo als Städte auch an USA. erinnern, wenigstens soweit ich mir auf Grand von Bildern und Berichten aus diesem Lande einen Vergleich erlauben kann. Es sfatd vor allem Hunderte von Hochhäusern, die dem Bilde dieser Städte ihren Stempel aufdrücken, ebenso wie das Wachstum besonders Säo Paulos „amerikanisch" ist Die Bautätigkeit hier ist wirklich ungeheuer, sowohl was'.die öffentliche als auch die private betrifft; überall schießen neue Hochhäuser nur so aus der Erde, 'Tausends von Wohnhäusern sind stets im Bau; —'wo vor wenigen Monaten oft noch mehr oder weniger Wildnis gewesen, entstehen neue Straßen und Aveniden. Weitaus vorherrschend ist der Typ der Einf ami- 1 ientiäuser, die teilweise kilometerlange Straßen bilden, doch «ibt es im Stadtinneren auch zahlreiche Apartement-Hochhäuaer. Der Verkehr im Zentrum ist oft beängstigend, dagegen ist es . in den Außen vierteln der riesig ausgedehnten Stadt meist, sehr ruhig; abends könnte man glauben, in einem kleinen Lendstädtchen zu leben. Etwas seltsam wirken die riesigen Gegensätze «wischen modernsten Bauton und den sehr oft noch daneben ttehefiden alten, unscheinbaren Baulichkeiten aus Vergantrenen Jahrsahriten. Zahlreiche prachtvolle Parkanlagen, viele Alleen ' und die bei fast jedem Wohnhaus vorhandenen Gärton wirken ungemein freundlich; das Ganse ist ausgehreitet Aber ein durchaus hügeliges Gelände, dessen ewiges Auf und Ab.das Stadtbild sehr belebt und schone Ausblicke gestattet. Das K links ist vermöge der Höhenlage viel angenehmer als die Breitenlage es bedingt Jedenfalls gibt es einen Winter, wenn auch nicht in.der.uns drüben bekannten Form. Immerhin ist es jetzt an manches Tagen recht kühl, nacht» sogar fast inuner, so daß wir raiiert Federbetten, sowie auch dickere Wäsche vielfach gut gebrauchen können^IMa/^Rtermometer ging manchesmal morgens bis sul etwa S Grad über Null zurück, bleibt dann der Himmel bedeck^ so ist es dann auch tagsüber,ungemütlich kühl, kommt aber die Sonne, dann sind mittags Temperaturen bei au . 40 Grad in der Sonne zu verzeichnen. Wie man sich an solchen Tagen anstehen «oll, bleibt ein ewig ungelöste» Rätsel. Die ganze Lebenshaltung wickelt Sich hie» mehr oder weniger ganz wie drüben ab zum mindesten was die h»er außerordentlich zahlreich lebenden Europäer anbelangt. Neben den uns be- - kannten Obst- und Gemüse-Sorten gibt es »ahlreiche Arten, die v man,, aber nur nach and nach kennen und schämen lernen 'kann. Billig sind Apfelsinen, -Mandarinen, Bananen; dagegen - werden europäische Sorten, meist au» Kalifornien oder Argentinien kommend, vielfach stückweise verkauft- So kostet eine Kirsche ebensoviel-,wie eine Straßenbahnfahrt, ein Apfel meist, doppelt so viel. .Selbstredend stellt pah «ich entsprechend ein und kauft das, was billig ist, und die« am mehr, ala das Leben im ganzen keineswegs billig ist. ■ Billig erscheint 'e» aar, wenn maa den Goldwert de» Geldes zogrunde legt, was man von drüben au» leicht zu J- I "Iß

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