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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 43

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand UB Ffm
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 43 (sequence 49)
Language
German
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tun geneigt ist, im Verhältnis M den Lohnen und Verdiensten der Breiten Masse aber kommt-man'zu anderen Schlüssen. Ein Durchachnittq&rbeiter kann hier, kaum das Labe» eines mitteleuropäischen Arbeiters fuhren; er lebt viel bescheidener Ton Fleisch; Reis," Bohnen, Bananen und Brot. Gemüse sind Luxus; dabei ist aber alle« M haben. Aehnlich liegen die Verhältnisse auf dem Warenmarkt. Was irgend die Welt produziert, kann man hier kaufen, allerdings für teures Geld. Pas trifft auch auf die nationale Produktion zu, denn die „Preisschere" wirkt auch auf die mit billigen, heimischen Arbeitskräften hergestellten Waren ungemein verteuernd. Dan Aufmachen eines selbständigen Betriebes kleinen Umfange« wird infolgedessen stets in einem gewissen Wagnis, und eine l'nzahj von Einwanderern hat so schon große Vermögen verloren. Jeder Wohlmeinende rat an längerem Abwarten, um «rat die ganzen Verbältnisse, die psychologische Einstellung der Bevölkerung und vor allem die Sprache einigermaßen kennen gelernt zu haben.' Die tatst«e macht tatsachlich erhebliche Schwierigkeiten. Geldausgeben kann man allerdings auch ohne jede Sprachkenntnisse, dann fast uberall trifft man deutschsprechende Menschen, in den Geschäften, anf dem Markt and auf der Straße. Anders ist es aber, wenn man irgend etwas verdienen möchte, man steht dann zuerst so hilflos da wie ein' Kind. Das Sprechen geht noch eher als das Verstehen. Selbst durchaas bekannte Worte sind zunächst absolut unverstanden, weil man hier natürlich in.der Umgangssprache wie aberall etwas nachlässig, dafür aber recht schnell and In einer singenden Weise spricht, wodurch sich auch die gut bekannten Worte erheblieh verändern. Erst mit der Zeit gewbnnt sieh das Ohr an diese-'anderen Laute und langsam beginnt man — mais öli menos — an verstehen, waa dar Gesprächsgegner eigentlich will. Erschwerend wirkt noch .die scharf« Abgrenzung des Umgangs, privat kommt man .mit Einheimischen Oberhaupt nicht in Berührung, man verkehrt ausschließlich mit anderen Einwanderern. ^■''r '/'■''■> .; , , . - - v-■, •'" '' —._. ■ ,' ■. •■. ■■- Besonders wohltuend empfindet man da die Existenz der IareeUUsahen Cwmssnda In dem geräumigen Gemeindehaus befindet sich «in Betraum liberaler Richtung, «ad getianW lläl'Ual ein kleinerer für orthodoxen Ritus; letzterer ist stets gut besucht, der erster« weniger. Außerdem unterhält die Gemeinde eine Beratungsstelle für alle möglichen Gebiete,, veranstaltet Sprachkurse, und neuerdings leistet auch sie Kulturarbeit in Gestalt von Vortragen, kleinen Konzerten usw. Leider bleiben nah am alle Einwanderer in den Städten den Landes, die einer solchen Bevölkerungsvermehrung keineswegs bedürfen, während im Landmnern noch Raum für 1 viele Millionen wäre. Wie ich erfahre, sind dort noch weit günstigere Verdienstmöglichkeiten bei wesentlich niedrigeren Lebenshaltungskosten. . Jüngere und gesunde Menschen sollten dies nicht außer «cht lassen, wahrend reiferen Jahrgängen dies« Empfehlung weniger gilt besonders ans klimatischen Gründen. Schon daa hiesige, verhältnismäßig gemäßigte Klima macht den nicht mehr ganz jungen Menschen genügend zu schaffen; die Umstellung verläuft selbst hier nicht ganz reibungslos. Wer nach hier kommt, möge aber zuerst sich darüber klar werden, daß man, was die bekannten Einwanderungsstädte anbetrifft, nicht etwa in -einen Kolonialstaat kommt. Dias sei bestimmend für die Aaswahl der mitzunehmenden Gegenstände; man kann hier alles an Kleidung, Geraten, Dingen des täglichen Lebens usw. genau so verbrauchen wie drüben. Allerdmgs der Wohnraum, ist knapper, Keller sind fast, Böden ganz unbekannt. Auch ist der Zoll für alle Möbel, außer Betten, sowie für angebraucht aussehend« Dinge, besonders Stoffe, sehr hoch. Wer daraus den richtigen Querschnitt sieht, dürft« daa Richtige getroffen haben; war aber die Mittel besitzt, die Zollgebühren an * * ■ *jl- ~~r~ *: '"• ** '*' * r '-■-Is**- •••-»• . ipi . . 7-..C' •. bezahlen, freut sieh dann mit jedem mitgebrachten Buchr Topf, .ja Nagel> , * \ ■ f Der folgende Bericht behandelt vor allem die beruflichen Aussichten der Einwanderer,' Sio Paolo, den 30.8.3» „Die Berufsaussichten sind im Innern Brasiliens in den kleineren Städten für jeden Beruf sehr gut; dagegen ist es schon sehr schwierig, in Sio Paulo oder Rio de Janeiro festen Faß zu fassen. In den beiden Städten sind Minner folgender Berufe erwünscht: Bäcker and Konditoren, Fleischer, Graphiker, Bachdrucker, Schriftsetzer, die Englisch and Französisch in Wort und Schrift beherrschen, Rekismezeichner, Friseure, Schuhmacher and Schneider, Autoschlosser, Schlosser and Feinmechaniker, * . U n e r w Anseht sind Kellner, Köche, Kaufleute, Chemiker, Aerzte, Lehrer, Rechtsanwälte, Kosmetiker and sämtliche Berufe, in der Krankenpflege. Von "Fennen sind bevorzugt: Erzieheria, Gesellschafterin, Schneiderin, Modistin, wenn selbständige Entwürfe gezeichnet werden können, Kosmetikerin, wenn ein gutes Aeußeres vorhanden ist. Frauen sind Wesentlich leichter unterzubringen als Männer, da weibliche Kräfte dringend verlangt werden. Beruflich wird hier wesentlich mehr Können verlangt als in Deutschland. Nor wirklich ausgezeichnete Kräfte können sich 'einigermaßen behaupten; mittlere und schlechte Kräfte hat Brasilien 'genügend. Der V erdienst ist sehr gering; „Conto- ■ Verdiener" gibt es anter Emigranten nur auf Papier, aber nicht in Wirklichkeit. Wenn einer den richtigen Beruf hat und wirklich etwas leistet, auch die nötigen Verbindungen hat, kann er evtl. Rs. 800—700$ verdienen, des sind aber große Ausnahmen. Der Durchschnitts verdienst ist in q uali - fizierten Beruf Rs. 800—4008 monatlich. Ein sehr bescheidenes -Leben hostat Rs. 400—480$, ohne Anschaffungen von Bekleidung. Das Pensionsleben ist das billigste; «ine einigermaßen saubere Pension kostet monatlich Rs. 250$, das Zimmer ist aber mit noch einer Person zusammen. An Fahrspesen, Wäsche und kleinen Reparaturen an Kleidungsstücken muß man mit mindestens Rs. 180$ rechnen. Nebenausgaben: einmal in der Woche Kino, wöchentlich 50 6J) Zigaretten, Getränke, die in der Hitze unbedingt erforderlich sind, sonstige Kleinigkeiten mindestens Rs. 100$; also an,-Sparen für Neuanschaffungen ist ksum zu denkin. In den kleineren" Städten Ist der Lebensunterhalt wesent- - lieh billiger und man kann wesentlich schneller festen Fuß faasen. Brasilien ist ein Aufbauland und kenn noch sehr viel Juden aufnehmen, aber es ist längst nicht das Land, wo Milch und Honig fließt; es wird «ehr, sehr viel verlangt und es werden große Anforderungen an die Gesundheit gestallt. Es gibt hier sehr viel Emigranten, die ein trauriges Dasein fahren und denk der hervorragenden Arbeit unserer hiesigen jüdischen Gemeinde wenigstens am Tage einmal ein warmes Essen haben, aber sonst von trockenem Brot und Bananen leben in der Luxusstadt Säo Paolo. Warnen Sie bitte jede« Auswanderer, der keinen brauchbaren Beruf hat oder gesundheitlich nicht so gestellt ist, daß er als Arbeiter anf einem Bau oder in dar Fabrik arbeiten kann, nach Brasilien auszuwandern. Wer keine Verwandten oder wirklich gute Bekannte In Rio oder S. P. hat, soll die kleineren Städte wählen; «in« Großstadt bleibt immer offen. Sprache lernen ist unbedingt erforderlich. Von mir persönlich kann ich Ihnen mitteilen, daß ich nach vierzehnmonetigem Aufenthalt in Sio Paulo mein bescheidene* Leben habe. Um eich vor Klimakrajakkeiten zu schützen, ist unbedingt erforderlich, daß Hers; Lunge, Leber, Nieren, Magen y J. SCHNEIDER & Co. Inhob«r, tovi) taaei lainaal« INTERNATIONALE SPEDITION lensraae.» Verpackest, VsrsUfceraaa Ausland Palästina Obersee BERLIN NW 81 ESSENER STR. 32 ■ «» 1124t! WIRTSCHAFTSBERATUNG Bccliu LIQUIDATIONEN VERMÖGENS BERATUNG P Ol S D A M SEESTRASSE 45 .•«»»reeheeffen ner «•««,«erheelger Aussei«)««! —-t-M-i--— W . f h- ' " V.',,. <;*.,*-,■.! ".ü'ü-, 'itü.;« eSs ■iE»« . r

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